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"Die bessere Wahl"

Jerusalem (KNA) "Wir sind als Pilger gekommen und wir kehren als Pilger zurück". Die Worte von Statthalter Heinrich Dickmann sorgten in der Kathedrale des Jerusalemer Patriarchats für spontanen Applaus der rund 400 aus Deutschland angereisten Grabesritter und ihrer Angehörigen. Anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens feierte die deutsche Statthalterei des "Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem" am Samstag in Jerusalem die Investitur von 25 neuen Mitgliedern. Acht Frauen, zwölf Männer und fünf Priester nahm der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal in einem feierlichen Gottesdienst in den Orden auf. Achtzehn Ordensmitglieder sowie Statthalter Heinrich Dickmann wurden für ihre besonderen Verdienste ausgezeichnet.

Sie kommen aus ganz Deutschland, ihr Durchschnittsalter ist 49 Jahre, Tendenz seit einigen Jahren sinkend, wie Statthalter Dickmann nicht ohne Stolz festhielt. Ihnen gemeinsam ist, dass sie sich verantwortlich fühlen "für das Wohlergehen und die Würde der Menschen hier". In acht Gruppen reisten die Vertreter des deutschen Zweigs der päpstlichen Vereinigung mit dem sperrigen lateinischen Namen "Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani" nach Jerusalem zur Investitur – ein Novum in der 80-jährigen Geschichte der deutschen Grabesritter. Ein Novum auch die hohe Zahl der deutschen Erstpilger: 92 Ritter und Damen, so viele wie nie zuvor, erhielten aus der Hand des Patriarchen die Pilgermuschel, das Zeichen, das ihr Träger ins Heilige Land gepilgert ist. "Die Pilgermuschel verliehen zu bekommen, ist zugleich die Verpflichtung, sich einzusetzen für die Menschen im Heiligen Land", mahnte der Statthalter die Erstpilger seines Ordens bei der Feier. Investiturgottesdienst, Besuch der deutschen evangelischen Gemeinde von Jerusalem und Verehrung des Heiligen Grabes in der Grabeskirche: Die abschliessende Verleihungszeremonie stand am Ende eines langen Tages für die deutschen Pilger. Für die neuen Ritter und Damen war sie der Abschluss eines langen Aufnahmeprozesses.

Spannung und Bewegtheit war in den Gesichtern der neuen Ordensmitgliedern zu lesen. Manchem standen beim Besuch des Heiligen Grabes die Tränen in den Augen. Es sei ein sehr bewusster Schritt, die Anfrage des Ordens anzunehmen, "geprägt nicht von Äusserlichkeiten, sondern aus tiefer Überzeugung", beschreibt Dame Bettina Seitz den besonderen Moment. "Erhebend und getragen von der Gemeinschaft" sind die Worte ihrer Mitschwester Barbara Vosberg. "Die enge Verbindung mit Christus, den Menschen hier und seiner Kirche ist ungemein bewegend", ergänzt Reinhold Seidl. Die "Lebensaufgabe Grabesritter" anzunehmen, das heisst für den neu aufgenommenen Nürnberger Pfarrer, "mit Gleichgesinnten" seinem Engagement für das Heilige Land nachzugehen. "Ich kenne mich und meine Schwachheit, mit Gleichdenkenden zusammen verpflichte ich mich mehr", so Seidl.

In die Festfreude mischten sich neben Dankbarkeit auch besorgte Töne. Die Angst um die ungewisse Zukunft der Christen in der Wiege der Christenheit wächst angesichts der Gewalt in Syrien und der Entwicklungen in den Nachbarländern. Das Schicksal der Christen in Nahost stehe "nicht auf der politischen Agenda der Grossen", hatte Patriarch Fouad Twal, als Grossprior nach dem Kardinal-Grossmeister in Rom der zweithöchste Würdenträger des 1868 vom Papst errichteten Ordens, bei der morgendlichen Investiturmesse gemahnt. Mit zustimmendem Beifall unterbrachen die Anwesenden immer wieder seine Predigt, die er mit einer eindringlichen Bitte beschloss: "Lasst wenigstens Ihr uns nicht allein in dieser Not!" Grabesritter zu werden besage heute, "überall gewaltfrei und furchtlos für das Reich Christi und seine Kirche einzustehen und besonders die Mitchristen im Heiligen Land zu unterstützen."

Der Appell des Patriarchen stiess auf offene Ohren nicht nur bei Statthalter Dickmann, der in seiner Ansprache noch grössere Anstrengungen bei der Unterstützung der pastoralen und karitativen Arbeit im Heiligen Land versprach. Zusätzlich zu 1,6 Millionen Euro, mit denen die 1.400 deutschen Grabesritter im vergangenen Jahr Projekte im Heiligen Land unterstützten, übergab Dickmann weitere 71.000 Euro aus der Kollekte der letzten Investiturfeier in Deutschland. Bestimmt sind sie für den Sozialfonds, der der deutschen Statthalterei neben den Bildungsprojekten besonders am Herzen liegt. Der Topf für humanitäre Zwecke wurde vor 18 Jahren eigens gegründet, damit "im Notfall sofort geholfen" werden kann.

Als "Einsatz über unsere Erwartungen hinaus" lobte Patriarch Twal die finanzielle Unterstützung aus Deutschland. "Sie sind ein Segen für uns!" Doch die Ritter und Damen des päpstlichen Ordens wollen mehr sein als edle Spender, das wurde im Laufe des Tages immer wieder deutlich. Es sind "einschneidende Eindrücke", die sie von ihrer Pilgerreise im Heiligen Land mitnehmen, sagen die neuen Ordensmitglieder, "Erfahrungen, wie sie nicht jeder macht". "Auch das", sagt Barbara Vosberg, "ist Pilgerschaft: Menschen treffen und sich austauschen." Wenn sie wieder fahren, wollen sie "unsere Solidarität hier lassen und immer wieder kommen".

Genau das ist das Anliegen, dass Statthalter Dickmann den Rittern und Damen mit auf den Weg gibt: "Die Menschen hier brauchen unsere Solidarität. Sie müssen uns sehen und mit uns sprechen können, sie müssen ihre Sorgen loswerden können." Deshalb seien "die jetzt geknüpften Kontakte und der Erhalt der Pilgermuschel die Verpflichtung, wiederzukommen". Die angereisten Ordensgenossen aus Palästina und Jordanien hören diese Sätze gern. "Üblicherweise sind wir wenige, es ist gut, einmal diese grosse Präsenz zu sehen", freut sich etwa der Jerusalemer Grabesritter Tewfic Habesch. Die Präsenz der jordanischen und palästinensischen Ritter, so Twal, unterstreiche die Einheit der einen Ordensfamilie.

Viele Grabesritter seien zum Ende des Jahr des Glaubens nach Rom gepilgert, aus Rom hingegen habe keiner den Weg zur Investiturfeier nach Jerusalem gefunden, scherzte Fouad Twal zu Beginn seiner Predigt. In Anspielung auf die biblische Erzählung von Maria und Martha setzte er hinzu: "Sie haben es vorgezogen, Ihre Pilgerreise zur Mutterkirche nach Jerusalem zu machen. Das mag an das Geschehen in Bethanien erinnern, wo Jesus zu Maria sagte, sie habe das Bessere gewählt. Das haben Sie mit Jerusalem auch getan!"

Andrea Krogmann

"Ritter für den Frieden"

Deutsche Grabesritter nehmen in Jerusalem neue Mitglieder auf

Von Andrea Krogmann (KNA)

Jerusalem (KNA) «Wir sind als Pilger gekommen und wir kehren als Pilger zurück». Die Worte von Statthalter Heinrich Dickmann sorgten für spontanen Applaus der rund 400 aus Deutschland angereisten Grabesritter und ihrer Angehörigen in der Kathedrale des Jerusalemer Patriarchats. Anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens feierte die deutsche Statthalterei des «Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem» am Samstag in Jerusalem die Investitur von 25 neuen Mitgliedern. Acht Frauen, zwölf Männer und fünf Priester wurden von Patriarch Fouad Twal feierlich in den Orden aufgenommen. 18 Ordensmitglieder sowie Statthalter Heinrich Dickmann wurden für ihre besonderen Verdienste ausgezeichnet.

Sie kommen aus ganz Deutschland, und ihnen gemeinsam ist, dass sie sich verantwortlich fühlen «für das Wohlergehen und die Würde der Menschen hier». «Die Pilgermuschel verliehen zu bekommen, ist zugleich die Verpflichtung, sich einzusetzen für die Menschen im Heiligen Land», mahnte der Statthalter die Erstpilger seines Ordens bei der Verleihung der Muschel, dem Zeichen, dass ihr Träger ins Heilige Land gepilgert ist. Die Zeremonie stand am Abschluss eines langen Tages - und für die neuen Ritter und Damen am Ende eines langen Aufnahmeprozesses.

Spannung und Bewegtheit war in den Gesichtern der neuen Ordensmitgliedern zu lesen. Manchem standen beim Besuch des heiligen Grabes die Tränen in den Augen. Es sei ein sehr bewusster Schritt, die Anfrage des Ordens anzunehmen, «geprägt nicht von Äußerlichkeiten, sondern aus tiefer Überzeugung», beschreibt Dame Bettina Seitz den Moment. «Erhebend und getragen von der Gemeinschaft» sind die Worte ihrer Mitschwester Barbara Vosberg. «Die enge Verbindung mit Christus, den Menschen hier und seiner Kirche ist ungemein bewegend», ergänzt der ebenfalls neu aufgenommene Nürnberger Pfarrer Reinhold Seidl.

Das Schicksal der Christen in Nahost stehe «nicht auf der politischen Agenda der Großen» hatte Fouad Twal, als Großprior zweithöchster Würdenträger des 1868 vom Papst errichteten Ordens mit dem sperrigen lateinischen Namen «Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani», bei der morgendlichen Investiturmesse gesagt. An die Anwesenden appellierte er: «Lasst wenigstens Ihr uns nicht allein in dieser Not!» Grabesritter zu werden, besage heute, «überall gewaltfrei und furchtlos für das Reich Christi und seine Kirche einzustehen und besonders die Mitchristen im Heiligen Land zu unterstützen».

Die Bitte des Patriarchen stieß auf offene Ohren nicht nur bei Statthalter Dickmann, der in seiner Ansprache noch größere Anstrengungen bei der Unterstützung der pastoralen und karitativen Arbeit im Heiligen Land versprach. Zusätzlich zu 820.000 Euro, mit denen die 1.400 deutschen Grabesritter im vergangenen Jahr Projekte im Heiligen Land unterstützten, übergab Dickmann weitere 71.000 Euro für den Sozialfonds für humanitäre Zwecke, damit «im Notfall sofort geholfen» werden kann.

Dass die Ritter und Damen des päpstlichen Ordens mehr sein wollen als edle Spender, machte Dickmann im Laufe des Tages immer wieder deutlich. «Die Menschen hier brauchen unsere Solidarität. Sie müssen uns sehen und mit uns sprechen können, sie müssen ihre Sorgen loswerden können.» Deshalb seien «die jetzt geknüpften Kontakte und der Erhalt der Pilgermuschel die Verpflichtung, wiederzukommen». Die angereisten Ordensgenossen aus Palästina und Jordanien hören diese Sätze gern. «Üblicherweise sind wir wenige, es ist gut, einmal diese große Präsenz zu sehen», sagt etwa der Jerusalemer Grabesritter Tewfic Habesch erfreut über den Besuch.

Viele Grabesritter seien in diesem Jahr bereits nach Rom gepilgert, aus Rom hingegen habe keiner den Weg zur Investiturfeier nach Jerusalem gefunden, scherzte Fouad Twal zu Beginn seiner Predigt. In Anspielung auf die biblische Erzählung von Maria und Martha setzte er

hinzu: «Sie haben es vorgezogen, Ihre Pilgerreise zur Mutterkirche nach Jerusalem zu machen. Das mag an das Geschehen in Bethanien erinnern, wo Jesus zu Maria sagte, sie habe das Bessere gewählt. Das haben Sie mit Jerusalem auch getan!»

mit/bju

Ritterorden vom Heiligen Grab nimmt 25 neue Mitglieder auf

Jerusalem (KNA) Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, nimmt am Samstag 25 deutsche Frauen und Männer als neue Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem auf. Das teilten das Lateinische Patriarchat und die deutsche Statthalterei des Ritterordens am Freitag in Jerusalem mit. Derzeit sind 400 deutsche Ordensmitglieder und Kandidaten mit ihren Angehörigen als Pilger im Heiligen Land.

Patriarch Twal, als Großprior zweithöchster Würdenträger des 1868 vom Papst errichteten Ordens, betonte die Bedeutung der Arbeit des Ritterordens für die Christen im Heiligen Land. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts habe die Gemeinschaft unter anderem den Bau von 44 Schulen des Patriarchats unterstützt, so Twal.

Nach Angaben des deutschen Statthalters Heinrich Dickmann zählt die deutsche Statthalterei gegenwärtig 1.400 Mitglieder, darunter 17 Prozent Damen und 12 Prozent Priester. Erfreut zeigte sich Dickmann, dass das Durchschnittsalter der deutschen Mitglieder in den vergangenen zehn Jahren auf 49 Jahre gesunken sei. Das jüngste Mitglied sei Anfang 30. Besonders am Herzen liege dem Ritterorden die finanzielle Unterstützung von Schulen und Pfarreien sowie des Priesterseminars in Beit Dschalla.

Nach Angaben der deutschen Statthalterei wurden im vergangenen Jahr 180.000 Euro für die Schulgeldermäßigung christlicher Schüler im Heiligen Land gesammelt. Weitere 400.000 Euro wurden in einen Sozialfonds für humanitäre Zwecke eingezahlt. Karitative Einrichtungen wurden mit insgesamt 240.000 Euro unterstützt.

Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem stammt anders als andere geistliche Ritterorden nicht aus der Zeit der Kreuzzüge. Er geht auf den 1335 erstmals belegten Brauch mittelalterlicher Ritter zurück, den Ritterschlag am Heiligen Grab in Jerusalem zu empfangen. Heute widmet sich der Orden in erster Linie karitativen Aufgaben im Heiligen Land sowie der Erhaltung der Heiligen Stätten. Insgesamt hat er nach eigenen Angaben 28.000 Mitglieder in 37 Ländern. Geleitet wird er von einem Großmeister im Kardinalsrang, der vom Papst ernannt wird. Großmeister seit knapp einem Jahr ist der US-amerikanische Kardinal Edwin O'Brien.

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