Aktuelles

  • Hintergründe zur Consulta 2018

    Alle fünf Jahre versammeln sich die Statthalter und die Magistraldelegierten um den Kardinal- Großmeister und erörtern Fragen in Bezug auf den Auftrag des Ordens und das Ordensleben. Die Consulta 2018 fand vom 13. bis 16. November in Rom statt. Im... weiterlesen ›

  • Papst ruft Grabesritter zu spiritueller Fortbildung auf

    Zum Abschluss der Consulta der Mitglieder des Großmagisteriums und der Statthalterinnen und Statthalter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem empfing Papst Franziskus die Teilnehmer der Consulta zu einer Audienz in der Sala Clementina des... weiterlesen ›

Alle Neuigkeiten ›

Inhalt

Pilgerfahrt zum Haus des Herrn

Historische Investitur in Jerusalem

Csr. Cornelia Kimberger

 

Vom 27. bis 29. September 2013 fand die Herbst-Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in der Heiligen Stadt statt. Eine fünfjährige Vorbereitungszeit ging damit zu Ende. Es war das erste Mal, dass sich eine so große Zahl von über 350 Ordensmitglieder gemeinsam auf eine Pilgerreise ins Heilige Land begab.

Es ist schon etwas Besonderes bei einer Investitur in der Heiligen Stadt Jerusalem mit dabei zu sein. Fünf Jahre lang dauerten die Vorbereitungen, um 350 Ordensmitgliedern mit ihren Angehörigen und den 25 neuen Damen und Rittern des Ordens die Pilgerreise zu ermöglichen. Zuvor gab es Reisen, Treffen, Telefonkonferenzen und vieles mehr, um die Grundlage für die Pilgerinvestitur zu schaffen, die von zahlreichen Helfern vor Ort begleitet wurde: das Lateinische Patriarchat, die Custodia di Terra Santa, der Deutsche Verein vom Heiligen Lande.

Von Herzen zu Hause

So wurde aus dem Gedanken einer Pilgerinvestitur Wirklichkeit, als sich am Freitagabend rund 500 Festgäste im Schulhof der Schmidtschule, nahe am Damaskustor, versammeln. Gäste aus dem Heiligen Land, den Pfarreien und Ordensgemeinschaften Israels und Palästinas und Ordensmitglieder aus Jordanien und Palästina treffen hier mit den Mitgliedern des Ordesn aus Deutschland zusammen. Dabei sind der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal und Weihbischof William Shomali. Die Mädchen der Schmidtschule begeistern die Gäste mit arabischem Gesang und Tänzen. Der Duft orientalischer Speisen lockt: Houmus, Falafel, Shwarma, Tahina, Paprika-Auberginen-Mus und Fladenbrot. Dazu wird Wein vom Weingut der Salesianer in Palästina und Bier aus dem christlich-palästinensischen  Dorf Taybeh gereicht. Cfr. Winfried Hinzen, Vorsitzender Pilgerkommission, begrüßt zusammen mit dem Vorbereitungsteam die Pilgerschar: „Heute ist ein wunderbarer Tag. Hier fühlen viele von uns sich von Herzen zu Hause.“ Eine Ordensdame meint: „Es ist tatsächlich wie ein Wunder, dass wir hier alle zusammen in Jerusalem sein dürfen“, und bedauert, dass das der Abend viel zu schnell vergeht.

Die Ordensmitglieder versammeln sich mit den Kandidaten und Kandidatinnen anschließend in der Kapelle „Unsere Liebe Frau des Friedens“ im Notre Dame Center gegenüber dem Neuen Tor der Jerusalemer Altstadt zur geistlichen Einstimmung der Investitur in der Vigilfeier.Der geistliche Zeremoniar, Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller, stimmt die neu zu investierenden Damen und Ritter auf die am nächsten Tag stattfindende Investitur ein. Wir alle hätten Gaben von Gott erhalten, die wir einsetzen  müssten predigt Müller: „Diese Talente sind dann in Jesus investiert.“ Eine der Aufgaben sei es auch, die Nöte und Sorgen der Menschen wahrzunehmen. Aus der Perspektive Christi heraus müssten die Mitmenschen gesehen werden: „So sehen wir auch das göttliche Bild im Nächsten.“Am Anschluss der Einstimmung bleiben viele Ordensmitglieder noch in der Kapelle zur Eucharistischen Anbetung und dem stillen Gebet.

Deutsch-arabische Liturgie

Seit Tagen sind die Mitarbeiter des Patriarchats bemüht, die Kirche und das Gelände rund um das Patriarchat für das große Ereignis zu schmücken. Am frühen Samstagmorgen füllt sich der kleine Hof vor der Konkathedrale im Lateinischen Patriarchat mit Damen und Rittern in ihren weißen und schwarzen Rittermänteln. Dicht gedrängt lauschen sie Cfr. Msgr. Helmut Daniels, der die Statio hält. Begleitet von Orgelklängen ziehen die Ordensmitglieder in die Kirche ein. Während der Investiturfeierlichkeiten singt der Chor des Priesterseminars. Einen besonderen Akzent bekommt die feierliche Messe durch arabisch gesungene Strophen einzelner Kirchenlieder.

„Herzlich willkommen in der Mutterkirche in Jerusalem“ begrüßt Patriarch Twal die Ordensgemeinschaft. Mit ihm konzelebrieren der emeritierte Patriarch, Erzbischof Michel Sabbah, die Weihbischöfe William Shomali und Boutros Marcuzzosowie Patriarchalvikar Erzbischof MarounLahham aus Amman. Die Deutsche Statthalterei sei eine der großzügigsten Statthaltereien, die das Lateinische Patriarchat unterstütze. „Dr. Heinrich Dickmann ist ein wahrer Friedenstifter und die Ritter und Damen sind ein Segen für das Heilige Land“, so Twal. Er fürchte vor allem um die Zukunft der Christen in Syrien: „Man kann Gewalt nicht durch andere Gewalt beseitigen.“ Die internationale Politik stelle das Wohl der Christen im gesamten Nahen Osten nicht in den Vordergrund ihrer Agenda. Twal bedauert außerdem, dass niemand vom Großmeisteramt aus Rom an den historischen Investiturfeierlichkeiten in Jerusalem teilnehme. Er appelliert an die Damen und Ritter: „Ich bitte Euch, wenn Ihr zurück in die Heimat geht, sprecht über Eure Erfahrungen, die Ihr hier gemacht habt.“

Gelebte Solidarität

Erfahrungen können die Ordensmitglieder und ihre Angehörige tatsächlich bei ihrem Aufenthalt im Heiligen Land sammeln. Fast alle Teilnehmer der Investitur sind vor oder nach den Feierlichkeiten im Heiligen Land unterwegs. Insgesamt acht Pilgergruppen aus den sechs deutschen Ordensprovinzen  besuchen die heiligen Stätten in Jerusalem, in Bethlehem, am See Genezareth. Viele schauen bei „ihrer“ Partnergemeinde vorbei, die sie während des Jahres mit Spendengeldern versorgen. Eine Pilgergruppe mit Mitgliedern der Rheinisch-Westfälischen und der Bayerischen Ordensprovinz besucht Pfarreien im Westjordanland. Eine Gruppe aus Bayern ist in Jordanien unterwegs, trifft dort christliche Gemeinden und wird hautnah mit der syrischen Flüchtlingsproblematik konfrontiert.

 „Versprechen Sie mit Mund und Herz, den Auftrag unserer Ordensgemeinschaft nach Kräften zu erfüllen?“ fragt Patriarch Twal die acht Frauen, zwölf Männer und fünf Priester, die ihn um die Aufnahme in den Ritterorden bitten. Diese geloben, sich gewalt- und furchtlos für das Reich Gottes einzusetzen, besonders für die Mitchristen im Heiligen Land.  Überraschend ist die Verleihung der „goldenen Verdienstmedaille“ durch Erzbischof Twal an die Mitglieder der Pilgerkommission und der Ordensleitung. StatthalterCfr. Dr. Heinrich Dickmann wird mit der Goldenen Palme von Jerusalem ausgezeichnet. Die Deutsche Statthalterei sei dankbar in der Konkathedrale die Investitur durchführen zu können, so der Statthalter. „Wir sind als Pilger gekommen und verlassen als Pilger das Heilige Land. Die Damen und Ritter sind verantwortlich für das Wohl und die Würde der Christen im Heiligen Land. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um den gemeinsamen Weg in die Zukunft zu gehen“, verspricht Dickmann. Auf Arabisch und Deutsch singen die Ordensmitglieder „Großer Gott wir loben dich“ und verlassen die Kathedrale. Die neu investierte Csr. Barbara Vosberg fühlt sich „getragen von der Gemeinschaft.“ Der neue Ordensritter Pfr. Reinhold Seidel empfindet die enge Verbindung der Menschen im Heiligen Land mit Christus und seiner Kirche als bewegend. Für ihn sei es nun eine Lebensaufgabe, Grabesritter zu sein, was auch bedeute, mit Gleichgesinnten seinem Engagement für das Heilige Land nachzugehen.

Innere Pilgerschaft

Auch Petrus hat ein Einsehen bei der Investitur: Noch vor wenigen Tagen hat es in Jerusalem für die Jahreszeit bei kühlen Temperaturen ungewöhnlich viel geregnet. Jetzt ist es warm, der Himmel strahlend blau. Jerusalemkreuze mit der Inschrift „Investitur 2013“ aus Olivenholz von christlichen Holzschnitzern gefertigt, schmücken die Tische beim Empfang im Notre Dame Center. Das Patriarchat verschenkt Päckchen, angefüllt mit verschiedenen Honigsorten aus Palästina und einem Rosenkranz aus Olivenholz.

 

Am späteren Nachmittag versammeln sich die Ordensangehörigen im altehrwürdigen Kreuzgang der evangelischen Erlöserkirche im christlichen Viertel Muristan der Altstadt. Stimmgewaltig wird zusammen mit dem Propst der evangelischen Gemeinde, Wolfgang Schmidt, das „Lobe den Herrn“ gesungen. „Auf diesen Bodenplatten standen vor langer Zeit schon einmal Ritter“, sagt der Propst in seiner Begrüßung. „Hier haben die Malteser und Johanniter ihren Ursprung.“ Schmidt betont, dass der Erlöser das Ziel der inneren Pilgerschaft sei. Er freut sich über das ökumenische Miteinander bei der Investitur. Csr. Ute Hinzenbezieht sich in ihrem „Wort auf den Weg“ auf das Ordensgebet und betont die Gemeinschaft der Ritter mit den Menschen im Heiligen Land. Begleitet von israelischer Polizei und zwei Wächtern der Grabeskirche, die in ihren blauen Gewändern bei jedem Schritt mit einem schweren Stock den Takt schlagen, zieht die Ordensgemeinschaft durch die engen Gassen des Basars. Vorbei geht es an wohl riechenden Gewürzständen, funkelnden Goldgeschäften  und Devotionalienläden auf den Platz vor die Grabes- oder Auferstehungskirche.Die Ordensmitglieder sind zu früh!Das Zeitfenster, das laut dem Status Quo der Grabeskirche für die Franziskaner zur Verfügung steht und die es an die Grabesritter „abgetreten“ haben, ist noch nicht geöffnet. Alle 95 Erstpilger ziehen dann direkt hinein in das Heilige Grab. Dort verharren sie einen kurzen Moment im stillen Gebet versunken. Die anderen Ordensmitglieder pilgern mit einer Verbeugung an der Ädikula am Grab vorbei. Dass dieser Besuch am Heiligen Grab tatsächlich gelingt, ist ein kleines Wunder. „Es war so beeindruckend und ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk“, schildert ein Ordensritter mit Tränen in den Augen seine Gefühle. Weiter geht der Prozessionszug zur Konkathedrale. „Die persönlichen Kontakte und der Erhalt der Pilgermuschel sind eine Verpflichtung wiederzukommen“, sagt Statthalter Dickmann. Es sei eine Verpflichtung von jedem, sich für ein menschenwürdiges Leben der Christen einzusetzen. Noch nie in der Geschichte des Patriarchats wurden auf einmal so viele Pilgermuscheln überreicht. Nach einem Gruß an die Gottesmutter Maria klingt der Tag der Investitur aus.

Kultur des Hinschauens

Am Sonntagmorgen bei der Statio vor der Salvatorkirche, dem Sitz der Franziskaner im Heiligen Land, erinnert Cfr. Msgr. Müller an den Heiligen Franziskus, der während seines Lebens lernen musste, was Rittertum bedeutet. Unter anderem seien der Dienst am Anderen und die Demut wichtig. Wieder ziehen die Grabesritter durch die engen Straßen der Altstadt zur Konkathedrale, um dort gemeinsam mit Patriarch Twal und Weihbischof Shomali das Pontifikalamt zu feiern. Msgr. Müller mahnt in seiner Predigt den Blick auf die Bedürftigen unserer Welt zu richten: „Es gilt eine Kultur des Hinschauens auf die Lazarusse dieser Tage.“ Müller zitiert Papst Franziskus: „Glaubende sind Mittler des Lichts. Wer bei Christus eintaucht, taucht bei den Armen wieder auf.“ Ein Besuch in St. Salvator am Nachmittag beschließt das Programm der Investitur. Der Franziskaner FerasHejazin erzählt über seine Jerusalemer Kirchengemeinde und pünktlich zum Sonnenuntergang genießen Ordensmitglieder vom Dach der Custodie den Blick auf die Grabeskirche. „Was war unsere Investitur für ein fröhliches Fest hier in der Heiligen Stadt“, freut sich eine Ordensdame. „Ja, diese Tage werden mir immer in Erinnerung bleiben.“

Anmeldung für Mitglieder

Passwort vergessen ›

Kontextspalte