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Ansprache beim Begrüßungsabend am 26.9.2013 im Hof der Schmidt-Schule, Jerusalem

Cfr. Winfried Hinzen, Vorsitzender der Pilgerkommission

Exzelllenzen,

liebe Consorores und Confratres!

Sehr geehrte Gäste!

Heute ist ein wunderbarer Tag …!

Mitten in Jerusalem, mit dem Blick auf hunderte von Pilgern und vielen einheimischen Gästen, zu sein ist ein überwältigendes Gefühl. Es ist es schon etwas ganz besonderes, dass ich Sie, die  deutschen Ritter und Damen und Ihre Angehörigen zusammen mit all den einheimischen Priestern, Ordensleuten, den Lehrern und alle anwesenden Freunden, nach einer langen Zeit der Vorbereitung heute im Namen der deutschen Statthalterei hier als unsere Gäste begrüßen kann. Liebe Freunde aus Jerusalem, dies ist Ihr Zuhause, an dem wir uns heute befinden.

Es ist der Platz, an dem arabische Mädchen alltäglich zur Schule gehen und für das Leben lernen. Liebe Schülerinnen, ihr macht uns viel Freude an diesem Abend mit Eurem Tanz. Daher geht mein erstes Dankeschön an euch: Vielen Dank für diese großartige Performance! Liebe Schülerinnen und Lehrer, Ihr arbeitet an diesem Ort für ein Leben in Freiheit, Toleranz und Würde. Ein Ort, über dem die Sonne scheint und für manche – ich hoffe wenige – gelegentlich auch düstere Wolken aufziehen, wenn das Schuljahr sich dem Ende neigt und die Zeugnisse kommen. Ein Ort an der Schnittstelle zwischen dem arabischen Ostteil und dem israelischen Westteil dieser Stadt, ein Ort, in dessen Mauern Geborgenheit herrscht. Dies soll immer ein Ort der Sicherheit und der Freude sein, so wie wir es heute Abend erleben können. Hier, liebe Schülerinnen und liebe Freunde von Jerusalem, ist Ihr Zuhause. Wir sind Gäste hier und wollen uns herzlichen für all Ihre Unterstützung bedanken – Mr. Hocke, Mr. Schmitz und die Mary Ward Schwestern!

Und doch fühle auch mich hier wie zuhause, wo wir als Pilger heute stehen dürfen. Damit stehe ich sicher nicht allein. Ich meine nicht nur, dass wir alle als Ritter und Damen des Ritterordens in Deutschland von Haus aus auch Mitglieder des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande sind, auf dessen Boden wir hier stehen und für dessen großartige Unterstützung ich mich schon an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.

In meinem Herzen fühle auch ich mich hier heimisch, hier an diesem Platz in Jerusalem, im Heiligen Land, zu dem wir uns als Pilger immer wieder hingezogen fühlen. Sicher fühlen viele hier mit mir. Ganz viele von uns sind denn auch nicht zum ersten Male hier.

Vielleicht heben einmal alle den Arm, die heute zum wiederholten Male hier sind? - Wunderbar!

Wir haben hier ein Zuhause bei Freunden – damit meine ich nicht nur Sie, Sr. Heidrun, Sr. Daniela, Confrater Rektor Markus Bugnyar, P. Joseph, P. John oder Herr Baddour, die sie uns alle in den christlichen Pilgerhäusern so herzlich aufgenommen haben und uns das Gefühl geben, zuhause zu sein. Damit meine ich auch besonders unsere Freunde des Lateinischen Patriarchats, aus unseren Partnerpfarreien und  aus den mit uns befreundeten Familien aus Palästina und Jordanien: Khoury, Habesh, Dallal, Haddad, um nur beispielhaft für alle einige Namen zu erwähnen. Schön, dass so viele Freunde heute hier vertreten sind!

Bitte gestatten Sie, dass ich im Folgenden zunächst einige Sätze auf Deutsch besonders an unsere Pilgergeschwister richte:

Lieber Herr Statthalter,

liebe Ordensdamen, liebe Ritter,

liebe Kandidatinnen und Kandidaten,

liebe Angehörige und Freunde!

Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl, mit Ihnen und Euch gemeinsam in der Heiligen Stadt Jerusalem als Pilger willkommen zu sein. Sind Sie doch gewohnt, zum Start des Investiturprogramms vom Leitenden Komtur der gastgebenden Komturei begrüßt zu werden, so darf ich heute die Begrüßung für die Pilgerkommission wahrnehmen. Die Aufgabe der gastgebenden Komturei ist der Pilgerkommission übertragen worden. In den vergangenen Jahren, in denen wir diese drei Tage vorbereitet haben, haben alle hier Außergewöhnliches geleistet. Deshalb habe ich alle Mitglieder des Vorbereitungs-Teams mit auf die Bühne gebeten.

[...]

Danke, liebe Mitstreiter! [...]

Gemeinsam haben wir überlegt und gearbeitet, gebetet und auch gestritten um eine gute Gestaltung dieser Investiturtage. Gemeinsam freuen wir uns auf diese Tage mit Euch!

Vor uns liegen Tage der gemeinsamen Christusverehrung, deren Pilgertradition bis zurück ins 4. Jahrhundert zurückreicht. Heute Abend werden wir um 21:30 Uhr die Vigil der Kandidaten feiern, leider nicht in St. Anna, der Kreuzfahrerkirche in Jerusalem. Wie es hierzulande geschehen kann, müssen wir kurzfristig an einen anderen Platz ausweichen, in die schöne Kapelle des Pilgerhauses Notre Dame de Jerusalem, ebenfalls einem großartigen Ort der Marienverehrung. Danke, Pater John, dass Sie uns heute so herzlich und spontan bei sich aufnehmen!

Morgen beginnt dann Ihr Tag mit der Investitur, liebe Kandidatinnen und Kandidaten, am Bischofssitz unseres Lateinischen Patriarchen. Nach dem anschließenden Festmahl versammeln wir uns dann um 16:30 Uhr (neue Uhrzeit!) an der evangelischen Erlöserkirche – Auferstehungsglaube und daraus resultierendes tatkräftiges Engagement gehören in Deutschland in bester freundschaftlicher Nachbarschaft zur katholischen und zur evangelischen Kirche. Danke für dieses Zeichen herzlicher Ökumene, lieber Herr Propst Schmidt!

Von der Erlöserkirche aus ziehen wir dank dem Einsatz der Franziskaner feierlich in die Grabeskirche ein, verehren das leere Grab Christi und ziehen als Prozession wieder hinauf zum Lateinischen Patriarchat, wo auch die Pilgermuscheln überreicht werden. Am Sonntagmorgen werden wir mit unserer Prozession schließlich die Franziskaner-Kustodie und das Lateinische Patriarchat als Wurzel und Auftrag der Ritter symbolisch verbinden. 

Eure Seligkeit, wir freuen uns sehr, dass Sie mit uns zum Heiligen Grab ziehen und dass Sie es sich nicht nehmen lassen wollen, am Ende der Prozession persönlich den Erstpilgern die Pilgermuschel zu überreichen – Erstpilgern aus Deutschland und Erstpilgern aus Jordanien.

Durch den etwas später als geplanten Einzug in die Grabeskirche verzögert sich der freie Abend etwas und damit auch das Abendessen in den Pilgerhäusern. Lassen Sie mich zum Schluss kurz etwas zu unserem heutigen Abendessen sagen: Dass wir heute, an einem Freitag, dem Feiertag der Muslime, abends, also am Beginn des jüdischen Sabbat, so gut bewirtet werden, dass verdanken wir einer pragmatischen Zusammenarbeit von Israelis und Arabern bei unserem Caterer – ein hoffnungsvolles Zeichen. Für dieses Arrangement und für alle Unterstützung möchte ich besonders Dir, lieber Günther Zenner, dem Verwalter der Dormitio-Abtei, Dank sagen!

Aufmerksam machen möchte ich auf den Getränke-Service des Abends. Der Wein des Abends kommt von den Weingütern Cremisan, dem einzigen christlichen Weingut in Palästina, jenseits der Mauer. Seit mehr als 125 Jahren finanzieren die Salesianer Don Bosco Schulen durch Weinbau. Dass die Weine gut sind, davon könnt Ihr, liebe Pilgergefährten, Euch am besten selbst überzeugen. Wie es in einem bekannten Buchtitel eben heißt: Und die Bibel hat doch recht. - Und das Bier heute ist, nicht nur die Bayern wird es freuen, ein richtiges Oktoberfestbier aus Taybeh, etwa 30 km nordöstlich von Jerusalem in der Westbank. Das Bier wird nicht nur hier getrunken, es wird auch in vier Sorten ins Ausland und sogar nach Tel Aviv exportiert. Tai-beh heißt übrigens wohl auf Arabisch lecker, davon können Sie sich gleich überzeugen. Den Getränkenachschub, Wein und Bier, können Sie im Laufe des Abends am Bier- und Weinstand erwerben. Liebe Freunde aus Cremisan und Taybeh, danke dass Sie hier sind!

Liebe Aachener! Wem das orientalische Essen vielleicht nicht ganz so liegt, der wird sich erst recht auf die Festlichkeiten unserer Statthalterei in Aachen freuen. Liebe Anwesende, Sie sind es gewohnt, dass bei der vorhergehenden Investitur für die folgende eingeladen wird. Da es in Jerusalem keine Kapitelsitzung gibt, entfällt also nicht nur die örtliche Kapitelsammlung – die Sie sicher schon daheim überwiesen haben –, sondern es entfällt auch das Wort der Vertreter der nächsten gastgebenden Komturei. Natürlich wird es eine Aussendung an alle geben, um dies nachzuholen. Doch schon heute möchte ich auf die Aachener Investitur im Mai 2014 aufmerksam machen. Bei Aachen denke ich nicht nur an Printen, also ans Essen, sondern zunächst einmal an den Namenspatron der Komturei, Karl den Großen, sicher einer der historisch bedeutendsten Personen des christlichen Abendlandes. Unser christliches Abendland, das hier von der Mutterkirche in Jerusalem aus seinen Anfang genommen hat.

Zum Schluss möchte ich das Wort an unsere Gastgeber richten:

Liebe Freunde von hier, gerade habe ich unsere Pilger an die Wurzeln der abendländischen christlichen Länder. Das Patriarchat von Jerusalem ist der Ursprung der mater ecclesia, Mutterkirche der Mutter Kirche. Eure Seligkeit, ich brauche Sie unseren Confratres und Consorores nicht vorzustellen. Jeder hier kennt Sie als Hirte und Stimme unserer Mutterkirche und als Freund der Deutschen Statthalterei. Vom ersten Tage an haben Sie der Idee, hier Investitur zu feiern, nicht nur zugestimmt. Sie haben uns mit offenen Armen willkommen geheißen und uns jede Unterstützung zugesagt und bis heute gegeben. Wir feiern hier mit Freunden aus Palästina und Jordanien, wir feiern hier in einer großen Familie, deren Patriarch-Großprior Sie, Beatitude, sind. Sie bauen Brücken der gegenseitigen Hilfe und Liebe zwischen dem Heiligen Land und uns in Deutschland und Europa. Von hier aus, vom Zion, ruft die Stimme des Herrn, ruft nach Frieden und Gerechtigkeit für alle Völker. Von hier aus, Beatitude, rufen Sie im Namen Jesu Christi nach Frieden und Gerechtigkeit. Von hier aus rufen Sie uns auf zur Treue mit der Mutterkirche – eine Treue, die wir Ihnen heute einmal mehr von Herzen gern versprechen. Deus lo vult.

Eure Seligkeit, wir bitten Sie nun um Ihre Worte der Begrüßung. Das Wort gehört Ihnen!

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