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„Willkommen in der Mutterkirche“

Großprior Patriarch Fouad Twal

Anlässlich der Investitur in Jerusalem hielt die Predigt der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Großprior Fouad Twal. Er hieß die Ordensmitglieder auf ihrer historischen Pilgerreise in der Mutterkirche Jerusalem willkommen. Schon Papst Johannes Paul II. hatte bewusst bei seinem Besuch im Jahre 2000 diesen Begriff verwendet.

Liebe Brüder und Schwestern, die Sie wegen des Patriarchats und unserer Christengemeinde aus Deutschland, Jordanien und Palästina gekommen sind, ich heiße Sie herzlich willkommen im Heiligen Land, Ihrer Mutterkirche, wo Ihre christlichen Wurzeln sind. Ich möchte dem Kommittee, das dieses feierliche Ereignis couragiert und mit Freude so hervorragend vorbereitet hat, gratulieren und danken.

Am Ende des „Jahres des Glaubens“ pilgern viele Ordensmitglieder nach Rom. Aus Rom, vom Großmagisterium, hat leider keiner den Weg hierher zu diesem geschichtsträchtigen Ereignis der Deutschen Statthalterei gefunden. Eine wichtige und sympatische Gruppe von gut 400 Personen mit Familien und Freunden, Sie meine lieben Brüder und Schwestern, hat es vorgezogen, ihre Pilgerreise zur Mutterkirche nach Jerusalem zu machen. Das mag an das Geschehen in Bethanien erinnern, wo Jesus zu Maria sagte, sie hätte den besseren Teil erwählt. Das haben Sie mit Ihrer Wahl, nach Jerusalem zu kommen, auch getan. Da Sie nun den Weg nach Jerusalem gefunden haben, hoffe ich, die Freude zu haben, Sie immer wieder bei uns begrüßen zu können.

Grund zur Dankbarkeit

Wir sind sehr dankbar für die Deutsche Statthalterei. Sie kennen die Lage unserer Kirche hier bestens, und wir dürfen und müssen es einmal aussprechen: Sie zählen unter den Statthaltereien zu den besten, die uns am Nächsten ist, am großherzigsten und hilfsbereitesten, und welche die Interessen des Lateinischen Patriarchats mit Respektierung der Ziele und der Geschichte des Ordens verteidigt, gemäß dem Artikel 3 der Konstitution. Das hat sich besonders bei der letzten Consulta in Rom gezeigt, wo ich so froh und stolz war, in der Person von Dr. Heinrich Dickmann einen wirklichen und treuen Freund des Lateinischen Patriarchats zu erleben, ein wahrer Friedensstifter, der echte Liebe für den Frieden im Heiligen Land beweist, charakteristisch für einen wahren Ritter vom Heiligen Grab. Danke!

Wir sind auch den vielen Deutschen Institutionen wie Misereor, Kirche in Not und dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande für deren Hilfe und Arbeit im Heiligen Land zutiefst dankbar, dazu den Deutschen, die hier vor Ort ihren Dienst tun: die Brüder der Dormitio, die Schmidtschule, den zahlreichen Voluntären. Sie alle sind uns unerlässliche Stütze in unserer Mission als Nachfolger der Apostelkirche in einer schon so lang andauernden Situation, die uns einerseits Kreuz und Bedrängnis ist, durch die bekannte Besatzung mit all ihren Folgen, andererseits jedoch die christlichen Werte mit sich trägt, die Gott den Seinen schenkt: Frohsinn, Freude, Dienstbereitschaft, vielfältige Hilfeleistung, Glaube und Gebet.

Kirche des Kreuzes

Ich pflege bei meinen vielen Begegnungen mit Gläubigen aus aller Welt, die Kirche des Heiligen Landes als Kirche von Golgotha, Kirche des Kreuzes, vorzustellen, die auf ihre Auferstehung wartet.

Das stimmt mit dem heutigen Evangelium überein. Das ist der Weg: nur über den Gekreuzigten kommt die Rettung, nur über unser Kreuz unsere Auferstehung. Das getragene Kreuz bringt seine Früchte. Unser Seminar ist voll. Wir haben um die 30 Priesteramtskandidaten, zwei davon sind diesen Sommer geweiht worden, dazu weitere zwei vom Seminar in Domus Galiläa und weitere vier folgen im kommenden Jahr. Wir konnten Priester zum Dienst in die Golfregion senden, in die amerikanische Diaspora und nach Nordafrika. Es erreichte uns auch eine Bitte der Diplomatischen Akademie in Rom.

Das sind alles Früchte auch Ihrer Großherzigkeit. Ihre Gegenwart und Gemeinschaft mit uns hier, ist ein Segen für unsere Kirche und alle christlichen Gemeinschaften des Heiligen Landes, die dadurch erleben, nicht allein gelassen zu sein. In Anbetracht der Vorgänge in Syrien und dem Nahen Osten, muss ich zugeben, dass wir, die religiösen Führer und Patriarchen, um die Gegenwart und Zukunft unserer christlichen Gemeinden fürchten. Man kann Gewalt nicht mit anderer Gewalt beseitigen. Die Stimme von 100.000 Opfern verlangt Gerechtigkeit und Friede, nicht Rache.

Gegen den Exodus

Vereint mit Ihrer Solidarität und Ihren Gebeten tun wir unser Bestes, die Auswanderung zu vermeiden und unsere Christen in unserem Land zu behalten. Aber die internationale Politik stellt unsere Situation und so viele christliche Opfer und Märtyrer nicht in den Vordergrund ihrer Agenda. Bitte, wenigstens Ihr, Ritter und Damen des Ordens mit Euren Freunden und allen, die das Heilige Land lieben, lasst uns nicht allein in dieser großen Not. Ich bitte Euch als Bruder, Freund und Seelsorger, wenn Ihr zurück in Eure Heimat kommt, sprecht zu den anderen über Eure wunderbaren Erfahrungen im Heiligen Land, über die Menschen, die Ihr getroffen, die Situation, die Ihr erfahren und den Segen, den Ihr erhalten habt. Die guten und die weniger guten Dinge.

Was können wir tun, um Ihren Großmut angemessen zu erwidern? Sollten wir das nicht mit noch mehr Treue zu unserer Mission im Heiligen Land tun, mit größerer Aufgeschlossenheit gegenüber allen Bürgern, unsere Gläubigen auf die gefährliche Lage nicht nur hier, sondern im ganzen Mittleren Osten aufmerksam zu machen? Caritas Jordanien gibt ein großartiges Zeugnis von Nächstenliebe und Solidarität zu den syrischen Flüchtlingen, ebenso wie zuvor zu denen aus dem Irak. Auch die deutsche Regierung hilft den Flüchtlingen durch unsere Caritas Jordanien, und ich fühle mich geehrt, der Präsident dieser Institution zu sein.

Im Gebet verbunden

Ja, wir beten beständig für Sie und Ihre Familien, für Ihre Anliegen und Ihre Verstorbenen. Es ist die Stimme der Mutterkirche von Jerusalem an den heiligsten Orten dieser Erde und in den Pfarreien unserer Dörfer, die an das Herz des barmherzigen Vaters pocht. Wir beten für die neuen Kandidaten und die aufgestiegenen Damen und Ritter mit ihren Familien und für jene, die sie spirituell auf diesen Moment vorbereitet haben. Herzliche Glück- und Segenswünsche! Wir freuen uns über die jungen Leute und Ehepaare unter Ihnen, die Zukunft des Ordens. Die Anwesenheit der Ritter und Damen von Jordanien und Palästina, von hier, unterstreicht unsere Gemeinschaft mit Euch als eine Ordensfamilie.

Das Patriarchat ist die einzige Diözese, die ihren eigenen und einzigen Orden des Heiligen Grabes hat, und der Orden kann seine Energien nicht irgendwo anders verstreuen. Und falls es neue Ideen gäbe, sollten wir den Mut haben, die Mitglieder zu fragen, wer die „Materia prima“ des Ordens ist und ihnen das Recht einräumen, zu wissen, wohin ihre Gelder fließen.    

Ich möchte meinen Dank und meine Wertschätzung für Euch mit den Worten des Apostels Paulus, die er in Zusammenhang mit dem Spendenaufruf für Jerusalem an die Korinther schrieb, beschließen:

„Brüder, wir wollen euch jetzt von der Gnade erzählen, die Gott den Gemeinden Mazedoniens erwiesen hat. Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihres selbstlosen Gebens. Ich bezeuge, dass sie nach Kräften und sogar über ihre Kräfte spendeten, ganz von sich aus, indem sie sich geradezu aufdrängten und uns um die Gunst baten, zur Hilfeleistung für die Heiligen beitragen zu dürfen. Und über unsere Erwartung hinaus haben sie sich eingesetzt, zunächst für den Herrn, aber auch für uns, wie es Gottes Wille war“ (2 Kor 8, 1-5).

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