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Inhalt

Predigt von Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch anlässlich der Investitur der Ritter vom Heiligen Grab (Münster Unserer Lieben Frau, Freiburg, 26. Oktober 2014)

Lieber Mitbruder Erzbischof Stephan,

liebe Consorores et Confratres,

werte Gäste, Schwestern und Brüder in der Gemeinschaft des Glaubens!

Zum Ritter gehört das Schwert, So sieht es jedenfalls die landläufige, vielleicht auch etwas romantische Vorstellung. In der Tat wurde Ihnen, werte neue Confratres, gestern Nachmittag bei Ihrer Investitur das entblößte Schwert hingehalten mit den Worten: „Dieses Schwert sei Ihnen ein Symbol für die Verteidigung des christlichen Glaubens und der Kirche“ und schließlich hat der „Großprior“ Ihre Schulter mit dem Schwert berührt. Doch dieses Schwert stand vor Ihnen, nicht damit Sie nun einfach mit dem Schwert dreinschlagen. Es wurde vor Sie gestellt als Zeichen der Stärke und der Bereitschaft zum Einsatz. Ihnen wurde deshalb zugleich gesagt, worin unser Einsatz besteht: „Bedenken Sie, dass das Reich Christi nicht mit Krieg und Gewalt errichtet wird, sondern mit Glaube, Hoffnung und Liebe.“

Uns von diesen drei göttlichen Tugenden durchdringen zu lassen und sie zu leben, ist unser zentraler Auftrag und die stete Herausforderung für uns im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Auf dieses Zentrum unseres christlichen Glaubens weist uns das Evangelium des heutigen Sonntags nachdrücklich hin: Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all unseren Gedanken. Und: den Nächsten lieben wie uns selbst. Daran hängt alles. So Jesus!

Wir, liebe Sorores et Confratres, werte Schwestern und Brüder, sind alle schon lange genug auf unserem Pilgerweg als Christen, um zu wissen, welche Herausforderung im Hauptgebot des Evangeliums steckt. Wir spüren, wie oft wir angesichts dieses Gebotes an unsere Grenzen kommen, auch wenn noch so viele um uns herum ständig von Liebe reden und singen. Es geht um die Mitte unseres christlichen Lebens.

Wir wissen alle um diesen „Leuchtturm Liebe“ im Leben des Menschen und haben auch alle dankbar Liebe erfahren. Sonst wären wir nicht hier. Und als Damen und Ritter unseres Ordens lieben wir das Heilige Land. Wir lieben dieses Land, weil Jesus dort gelebt und gewirkt hat, und wir dort seine Fußstapfen entdecken und wir ihm dort in einer eigenen Weise nahe sind. Jedes Mal, wenn ich von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land zurückkehre, kann ich den zweiten Patron unseres Erzbistums, den heiligen Bischof Konrad von Konstanz, besser verstehen, der im zehnten Jahrhundert trotz der damals überaus beschwerlichen Reise dreimal ins Heilige Land pilgerte. Ja, uns fasziniert das Heilige Land, weil es das Land ist, wo Jesus lebte und alle Orte von ihm zu uns sprechen. Wir lieben das Heilige Land, weil wir in dankbarer Liebe mit Jesus verbunden sind.

Jede und jeder von uns, werte Sorores, werte Confratres, hat einen eigenen und persönlichen Zugang zu Jesus Christus. Er ist tief in unserem Herzen verankert, auch wenn wir ihn nicht ständig im Munde führen. Unsere Zugehörigkeit zum Orden führt uns dazu, immer wieder darüber nachzudenken, wer Jesus Christus für uns ist, was er für uns getan hat und was wir ihm verdanken. In Nazareth steht in der Verkündigung seiner Menschwerdung die Initialzündung zu unserer Erlösung und Jesu verborgenes Leben plastisch vor uns. In Bethlehem sinken wir in der Geburtsgrotte staunend in die Knie: Der große, unendliche Gott kommt als Kind zu uns, um alles mit uns zu teilen. In Galiläa, am See Genesareth und in Jerusalem hören wir seine machtvolle Verkündigung und staunen über seine Rede und seine Wunder. Am Ölberg und auf Golgotha schweigen wir betroffen über all das, was Jesus für uns getan hat. Und wir beginnen, einzutauchen in das unsagbare Geheimnis seiner Liebe. „Was von außen her brutale Gewalt ist – die Kreuzigung -, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt.“  Durch diesen Akt am Kreuz geschieht das Entscheidende für uns und unsere Welt. Jetzt ist alles anders. Wir und unsere Welt werden im Innersten verwandelt: „Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben… Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten des Seins – der Sieg der Liebe über den Hass, der Sieg der Liebe über den Tod.“  Diese „innerste Explosion des Guten!“ überwindet das Böse und löst eine Kette der Verwandlungen aus.  Das tat Jesus für uns. So viel sind wir ihm wert. So unendlich groß ist seine Liebe. 

Mit dieser Liebe hat uns Jesus angesteckt und dieses Feuer auch in uns entzündet. Auch wenn wir angesichts der Größe seiner Liebe geradezu erschrecken, so dürfen wir uns doch auch  ermutigend zusagen lassen: „Diese Liebe ist möglich, und wir können sie tun, weil wir nach Gottes Bild geschaffen sind.“  Sie ist möglich, weil Jesus selbst in uns lebt, uns verwandelt und in der Taufe neu geboren hat; weil er in uns liebt. Wir dürfen Gottes Liebe trauen. Sie ist mächtiger als alles andere in der Welt, weil Gott selbst in ihr am Werk ist, durch sie anfängt, die Welt zu verwandeln. „Der Mensch lebt durch die Tatsache, dass er liebt und lieben kann.“  Und wer die Liebe abschaffen will, ist dabei, den Menschen abzuschaffen. „Liebe ist die einzige Kraft, die imstande ist, die Herzen der Menschen und der ganzen Menschheit zu wandeln.“  Denn Liebe ist die Kraft, die zusammenführen kann, was in unserer Welt auseinander fällt, die zusammenhält und verbindet, die Getrenntes eint, ohne die Unterschiede einzulösen.

Diese wenigen Sätze, liebe Sorores, liebe Confratres, machen uns neu bewusst, wie zentral das Liebesgebot des Evangeliums ist und wie sehr die Welt darauf wartet. So bekennen wir denn auch in unserem Ordensgebet: „Herr Jesus Christus, wir sind berufen, Zeugen des Evangeliums und Deiner Liebe zu sein.“  Denn die Liebe ist einerseits „in ihrer Reinheit und Absichtslosigkeit das beste Zeugnis für Gott“.  Zum anderen ist sie die Kraft, die uns zum Nächsten führt. Alles wirklich Große in der Welt geschieht, weil jemand mehr tut, als er tun muss. So wollen wir helfen, dass das große Wunder der Liebe in unserer Welt immer neu sichtbar und der beglückende und heilende, der therapeutische Charakter des Evangeliums in vielfältiger Weise erfahren wird. Dies kann auf vielerlei Weise geschehen. Als Christen spüren wir, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es angemessen ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen. Denn da Gott Liebe ist, wird er gerade dann in  unserer Welt gegenwärtig, wenn Liebe gelebt wird.

Dazu gehört selbstverständlich die Tat der Liebe. Es gilt, den Nächsten zu lieben wie uns selbst. So beten wir denn auch in unserem Ordensgebet: „Herr Jesus Christus, öffne unsere Augen, Ohren und Herzen für die Wunden und Nöte der Menschen unserer Tage, besonders für die Christen im Heiligen Land.“ Mit großer Trauer und unendlichem Schmerz beobachten wir den Unfrieden, die großen Spannungen, die erschreckende Feindschaft und kriegerischen Auseinandersetzungen im Heiligen Land. Dabei bedrängt uns ganz besonders die Not der Christen im Land Jesu und der Druck, unter dem sie leiden. Voll Trauer müssen wir zusehen, wie immer mehr Christen keine Zukunft im Heiligen Land mehr sehen und auswandern. Hier sind wir gerufen, in Solidarität und Verbundenheit zu helfen. Denn unsere Liebe zum Heiligen Land gilt nicht weniger den Menschen, die dort leben.

Von Herzen danke ich Ihnen, liebe Sorores, liebe Fratres, für Ihre stete und tatkräftige Unterstützung der Menschen im Heiligen Land. Unsere christlichen Schwestern und Brüder im Land Jesu sollen durch unsere Hilfe erfahren: „Ihr seid nicht vergessen. Wir lassen euch nicht allein.“ Wir nehmen unser Versprechen bei der Investitur „aus der christlichen Liebe zu leben und besonders die Menschen im Heiligen Land zu unterstützen“ ernst. Nach den Feierlichkeiten der Investitur und den vielen frohen Begegnungen kehren wir, liebe Ordensschwestern und –brüder, nun wieder in unseren Alltag zurück – dankbar, dass nun 36 neue Ordensmitglieder zusätzlich mit uns aufbrechen. Wir tun dies im Wissen, dass es, wie der Apostel Paulus sagt, darauf ankommt, „den Glauben zu leben, der in der Liebe wirksam ist“ (Gal 5,6). Am besten verstanden wird zweifellos die Sprache des Glaubens, der durch die Liebe handelt;  und dies ist die –Sprache Jesu. Lassen wir nicht darin nach, unsere Mitmenschen in der Sprache Jesu anzusprechen! Amen.

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