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„Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott“ Herbstinvestitur 2014 in Freiburg

Vom 24. bis 26. Oktober 2014 fand in Freiburg die Herbstinvestitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem statt. 36 neue Ordensmitglieder wurden in die Gemeinschaft aufgenommen.

Am letzten Wochenende im Oktober lud die Komturei Freiburg zur Herbstinvestitur der Deutschen Statthalterei ins Badische, in die gemütliche, mittelalterliche Stadt Freiburg ein. Rund 425 Ordensangehörige mit ihren Familien kamen in die Bischofsstadt, um 36 neue Mitglieder im Orden zu begrüßen. Die Investiturtage begannen mit der Vesper in der Kirche St. Johann am Freitagabend. Der Prior der Freiburger Komturei, Cfr. Pfr. Peter Berg, nahm sich in der Predigt der derzeitigen Weltsituation an. „Wir leben im Jahr voll der Kriege“, beklagte er. In Gaza und in der Ukraine stünden die Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz, und in Syrien und im Irak würde in unvorstellbarer Brutalität Jagd auf „Ungläubige“ gemacht, die sich weigerten, zum Islam zu konvertieren. „Sich für Gerechtigkeit einzusetzen, das ist die Aufgabe des Christen“, so seine eindringliche Mahnung. Er fordert dazu auf, im Großen wie im Kleinen Brücken des Friedens zu bauen.

Die Ltd. Komturdame von Freiburg, Csr. Dr. Ann Baumgartner, begrüßte die Festgesellschaft im Konzerthaus der Stadt. Sie erinnerte an Edith Stein, die in Freiburg an der Universität bis 1918 wissenschaftliche Assistentin war. „Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht“, zitierte sie die heilige Edith Stein. Daher habe sich die Komturei bewusst den Leitspruch für die Investitur ausgesucht. Manchem Ordensmitglied war das Konzerthaus noch in guter Erinnerung: Hier hielt Papst Benedikt XVI. 2011 seine berühmte „Freiburger Konzerthausrede“.

Zeugen des Evangeliums

Bei einem Luftangriff im November 1944 wurde die Freiburger Innenstadt fast komplett zerstört und 3.000 Menschen starben dabei. Das Freiburger Münster überstand wie durch ein Wunder das menschenverachtende Bombardement. So musste neben der Altstadt auch die Universitätskirche, die im 17. Jahrhundert errichtet worden war und in der Edith Stein gebetet hatte, nach dem Krieg wieder aufgebaut werden. Dort stimmte der Geistliche Zeremoniar des Ordens, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller zu nächtlicher Stunde die neu zu investierenden Damen und Herren auf die Feier der Aufnahme in den Orden am nächsten Tag ein. Cfr. Msgr. Müller ging in seiner geistlichen Betrachtung auf die Zeichen „im XXL-Format“ ein, die dieses Gotteshaus prägen: eine monumentale Christusfigur, die an einem 16 Meter hohen Stahlträger befestigt ist, eine riesige Menorah, die „eine Brücke zum Gebet, zu den Menschen im Heiligen Land“ sei und vor dem Altar, unter dem Kreuz, ein gewaltiges Taufbecken. „Miteinander berufen wir uns auf das Geschenk der Taufe“, so Müller. Glaube, Hoffnung und Liebe seien die Wege, „auf denen wir dieses Geschenk unseres Glaubens ausbuchstabieren.“ Pfarrer Ewald Sauer, der am nächsten Tag in den Orden aufgenommen wurde, erzählt nach der Vigil, wie tief bewegt er gewesen sei: „Ich fühle mich genauso wie vor meiner Weihe zum Priester.“

Hilfsprojekte im Heiligen Land

In der Kapitelsitzung am Samstagmorgen in der Martinskirche berichtete Cfr. Dr. Jörg Schill über das Hospiz St. Louis in Jerusalem. Seit einigen Jahren bemüht sich die Deutsche Statthalterei, das Hospiz zu renovieren, damit die im Sterben liegenden Menschen würdevoll betreut werden können. Vom Altenheim Bet Afram in Taybeh erzählte Csr. Cornelia Kimberger, das ebenfalls von Grund auf renoviert werden muss, denn dort herrschen für die alten Menschen katastrophale Zustände. Die Spendensammlung während der Investitur ist auf Wunsch des Statthalters, Cfr. Dr. Heinrich Dickmann, für diese beiden Projekte bestimmt.

Die Freiburger Komturei hat sich ein buntes und vielfältiges Kulturprogramm für seine Gäste ausgedacht. Auch die „Ritterjugend“ war dabei immer präsent. In kleinen Gruppen ging es durch das Münster, durch Klosterhöfe und die Freiburger Altstadt. Matthias Miller weiß nun endlich, wozu in Freiburg die „Bächle“ dienten, die auch ein Wahrzeichen der Stadt sind. Johannes Wolters und Florian Desprez sind bei der Fußballschule SC Freiburg und informieren sich über die Nachwuchsförderung des Deutschen Fußballbundes. Theresa Wolters ist auf den Spuren Edith Steins unterwegs. „Ich findet es total mutig, dass eine jüdische Frau zum Christentum konvertiert und das noch dazu in dieser Zeit.“

Ritterliche Tugenden

„Es ist ein Platz der Ruhe, weg vom Getriebe“, bemerkt Csr. Eva Oldenkott, bei der Statio im Hof des Collegium Borromaeum – dem Priesterseminar des Erzbistums Freiburg. Inmitten von bunt gefärbten Bäumen lauschen die Damen und Ritter den Worten von Cfr. Pfr. Dr. Otto Scheib, der das das Freiburger Münster, als Symbol für das Himmlische Jerusalem sieht, wohin nach einem „Procedamus in Pace“, der lange Prozessionszug pilgert. Vorbei geht es an historischen Gebäuden hinüber zum Münsterplatz. Viele Schaulustige und Touristen säumen  den Weg der Ordensdamen und Ritter. Die 19 Glocken des Münsters begleiten feierlich den Gang durch die Altstadt. Das Freiburger Münstergeläut gehört zu den größten Domgeläuten Deutschlands. Der Prozessionszug zieht durch die Vorhalle des Münsters, unter dem Tympanon aus dem 13. Jahrhundert mit seinen vielen farbig gehaltenen Figuren, die aus dem Alten und Neuen Testament erzählen.  Das Glockengeläut wird abgelöst von den gewaltigen Orgelklängen, als der Festzug  in das Münster einzieht. Großprior Kardinal Reinhard Marx mahnt in seiner Predigt, dass jeder verantwortlich für das sei, was er von Gott geschenkt bekommen habe: „Euer Leben ist kostbar, heilig. Lebt auf Niveau. Sagt ‚Ja‘ zueinander und bringt Früchte.“ 36 neue Ordensmitglieder, darunter elf Damen und fünf Geistliche, versprechen ein christliches Leben zu führen und sich für die Belange der Christen im Heiligen Land einzusetzen. „Für mich sind Gerechtigkeit, Maßhalten und die Weisheit die ritterlichen Tugenden“, erzählt später der Neuinvestierte Pfarrer Ewald Sauer. Dazu gehörten auch der christliche Glaube, die Liebe und die Hoffnung. „Ich möchte mit den Menschen im Heiligen Land verbunden sein und sie unterstützen.“

Dank an den Statthalter

Beim Festabend der Investitur begrüßt Statthalter Dr. Heinrich Dickmann zahlreiche Gäste aus dem In-und Ausland und bedankt sich bei der Ltd. Komturdame und ihrem Team für die Gestaltung und Durchführung der festlichen Tage. „Als ich 1994 in Berlin investiert wurde, habe ich nicht geahnt, dass ich einmal Statthalter werden würde“, erzählt Cfr. Dickmann der Festgemeinde. Anfang Februar 2015 ende nun seine Amtszeit. Als seinen Nachfolger habe er Cfr. Dr. Detlef Brümmer vorgeschlagen. Er stand Statthalter Prof. Dr. Paul Oldenkott als Kanzler zur Seite, als dieser die Statthalterei leitete. 880 Ordensangehörige und Gäste erheben sich von ihren Plätzen und danken in minutenlangem Beifall für die unermüdliche Arbeit des Statthalters. Der designierte neue Statthalter, Cfr. Dr. Detlef Brümmer, dankte seinem Vorgänger für dessen ausdauerndes und Früchte bringendes Engagement. Besonders hob er Dickmanns Arbeit in der  Heilig-Land-Kommission in Rom hervor, in der dieser nun weiterhin für den Orden und insbesondere für die Christen im Heiligen Land wirken werde. Kardinal Reinhard Marx und der Kanzler des Großmeisteramtes, Prof. Dr. Ivan Rebernik, würdigten ebenfalls das beharrliche Wirken des Statthalters. Der Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission des Großmeisteramtes, Dr. McKiernan, sagte unter dem Schmunzeln aller: „Every cent is counted, because we have Heinrich!“

Der neuinvestierte Ritter, Cfr. Martin Hirschbolz, stellte in seinem Dankwort im Namen der Neuinvestierten fest, dass mit dem Ordensmantel Christus als Gewand angelegt werde. Nun müsse dieser von den neuinvestierten Damen und Rittern individuell ausgefüllt werden mit den jeweiligen Fähigkeiten und Talenten. Csr. Ann Baumgartner überreichte den Neuinvestierten als Geschenk einen Melissengeist aus Baden-Baden hergestellt von den Schwestern aus dem Heiligen Grab zu Jerusalem. Dessen verloren gegangene Rezeptur wurde extra für die Investitur neu erforscht.

Die Liebe verändert die Welt

Zur Statio für das Pontifikalamt am Sonntag sangen die Ordensmitglieder im Hof des Priesterseminars im Kanon „Gottes Kraft geht alle Wege mit“ unter der Regie von Dompfarrer Dekan Wolfgang Gaber. Die Prozession führte an diesem sonnigen Sonntagmorgen durch die nahezu menschenleeren Gassen Freiburgs in das Münster. Der frühere Erzbischof von Freiburg und langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,  Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch, sprach in seiner Predigt von der Liebe. „Mit dieser Liebe hat uns Jesus angesteckt und in uns ein Feuer entfacht!“ Diese Liebe sei möglich, weil Jesus in den Menschen selbst lebe und sie liebe. „Die Liebe ist die einzige Kraft, die im Stande ist, die Welt zu verändern“, so Erzbischof Zollitsch, der die Ordensmitglieder ermutigte, ein entschiedenes und engagiertes Christsein in der Öffentlichkeit zu zeigen. Fast schon zu einer Tradition geworden ist das „Suppenessen“ am Ende einer Investitur. Der Saal des Priesterseminars war bis auf den letzten Platz besetzt und fröhlich wird noch einmal Resümee gezogen über die großartige Investitur in Freiburg.

Csr. Cornelia Kimberger

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