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Statio vor dem Pontifikalamt am 10. Mai 2015

„Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15,9)

Eure Seligkeit, Exzellenzen, liebe Sorores und Confratres!

„Bleibt in meiner Liebe!“ Dies werden wir gleich im Evangelium hören.

Und: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15,16) Gott macht immer den ersten Schritt, was wir auch tun, er kommt uns schon entgegen. Wir, die wir Gottes Ruf angenommen haben, und dies in der besonderen Weise unserer Bindung an den Orden der Ritter und Damen vom Heiligen Grab, wir sollen uns aufmachen und Frucht bringen. Das bedeutet: Wir sollen das, was wir empfangen haben, die Zusage, dass Gott unser Leben trägt und die Hoffnung, dass wir das Leben in Fülle erhalten, ja, unseren Glauben sollen wir auch weitergeben.

Dabei, so heißt es in der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte, sieht Gott nicht auf die Person, er sieht nicht auf unsere Leistung oder auf unseren Stand oder unser Ansehen, sondern in jedem Volk ist ihm willkommen, „wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ (Apg 10,35)

„Noch während Petrus dies sagte“, so werden wir hören, „kam der Heilige Geist auf alle herab […].“ (Apg 10,44) Gottes Heil und sein Wohlwollen uns Menschen gegenüber ist unsagbar reich und vielfältig. Unsere Aufgabe als Glaubende ist es, dies durch unser Beispiel in dieser Welt so zu zeigen, dass auch andere zum Glauben finden.

Dies gilt für alle Ihre Heimatorte und in besonderer Weise für eine Großstadt wie Berlin, die Sie in den letzten Tagen erleben konnten. Es ist schwierig hier, bei der Fülle der Angebote, bei aller Geschäftigkeit und Umtriebigkeit, zum Glauben zu finden. Es gibt, auch im übertragenen Sinn, so viele Baustellen und Umleitungen in dieser Stadt, dass es schwierig ist, den richtigen Weg zu finden.

Umso wichtiger ist es, dass wir unser Christsein nicht verstecken. Dass wir uns, egal in welchem Landstrich wir leben, nicht auf unseren heiligen Rest zurückziehen, nicht genügsam werden in dem, wie wir uns in unserer Gemeinde oder in unserer Gemeinschaft eingerichtet haben.

Unsere Aufgabe ist es, Frucht zu bringen! Gerade weil es heute nicht selbstverständlich ist, als Christ zu leben. Und es ist erklärungsbedürftig geworden, Katholikin oder Katholik und Dame oder Ritter zu sein. 

Es macht Sinn, immer wieder neu vom Glauben zu sprechen und zu erklären, was wir tun und welche Form wir dafür gefunden haben.

Denn diese Stadt und unsere Gesellschaft sind nicht gottlos!

Wir übersehen oft die vielen Aufbrüche im Glauben; dass die Menschen nach einem Sinn in ihrem Leben und nach Gott suchen. Vielleicht finden wir auch oft nicht die richtige Sprache, das Wort Gottes in unsere Zeit hinein wirksam zu sprechen. Leider finden viele nicht den Zugang zu unserer kirchlichen Gemeinschaft.

Der Heilige Geist kommt aber über alle herab und jeder, der auf der Suche ist, sollte an uns ablesen können, was es bedeutet, dass die Freude am Herrn unsere Stärke ist, wie wir die Investiturfeier in Berlin überschrieben haben. 

Wir werden gleich in die St. Hedwigs-Kathedrale einziehen, die ein Teil des Forum Fridericianum ist, also Teil der Kultur dieser Stadt. Neben einem königlichen Schloss, der Oper und einer Bibliothek sollte nach Friedrich dem Großen auch die geistliche Komponente hier ihren Platz haben. Die ursprüngliche Idee war, einen Ort für alle Religionsgemeinschaften zu schaffen. Jeder sollte „nach seiner Façon selig werden“ können, so Friedrich II. 

Die Form des Baus sollte an das Pantheon in Rom erinnern, in jeder Altarnische sollte Platz für eine andere Religion sein. Ein von Toleranz geprägter, philosophischer Gedanke, aber nicht das Bild eines gelebten Glaubens, eines Glaubens, der uns Kraft gibt und unser Leben in all seinem Auf und Ab begleitet. Gelebter Glaube braucht Heimat, braucht Tradition und Rituale. Glaube, der Fruchtbar sein soll, muss in Wort und Tat lebendig sein.

Die Heilige Hedwig hat als Patronin unserer Kathedrale vorgelebt, was es bedeutet, vom Glauben Zeugnis abzulegen. Es heißt in einem Wallfahrtslied: Der Gottesliebe Glanz erfüllt dein Leben ganz. / Mutter und Herzogin warst du nach Christi Sinn. / Im Unglück und in Not, in Krankheit und im Tod, / in Trübsal und Gefahr stets bei dir Hilfe war. / O Sankt Hedwig! 

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