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Predigt des Lateinischen Patriarchen S.Seligkeit Fouad Twal

Im Namen unserer christlichen Gemeinde im Heiligen Land, danke ich Ihnen für Ihre Einladung, diese schöne religiöse Zeremonie zu leiten. Ich hatte die Gelegenheit, einige von Ihnen schon in der Vergangenheit kennenzulernen, sowohl hier in Deutschland als auch in Jerusalem. Ich weiß, dass das die erste Investitur mit ihrem neuen Statthalter ist. Daher möchte ich unsere Anwesenheit heute bei Ihnen als Zeichen der Ermutigung und Unterstützung für ihn sehen.

Ich beginne mit meinen besten Wünschen, für den neuen Statthalter und die neuen Kandidaten, die der Grund für unser freudiges Zusammentreffen, und diese Feier heute sind. Unserem lieben ehemaligen Statthalter, Dr. Dickmann und seiner Familie danke ich von Herzen. Er hat uns während seiner  Amtszeit gezeigt, was es heißt, den Orden zu lieben, und was es heißt, ein treuer Freund des Lateinischen Patriarchats zu sein. Ich bin dankbar und froh, dass wir sein Vorbild und seine so effektive Hilfe nicht verlieren werden, da Dr. Dickmann ja inzwischen zur Kommission des Heiligen Landes gehört. 

Wenn wir hier in Berlin sind, können wir nicht umhin, an Ihre Freude über den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren zu denken, eine Mauer, die 28 Jahre lang die Stadt geteilt hat und ein Symbol für die ideologische Teilung Europas und der ganzen Welt war. Auch Deutsche haben geteilte Auffassungen, aber sind eins in der gemeinsamen Freude über den Fall der Mauer.

Der Mauerfall kam plötzlich, aber er wurde ermöglicht durch die langen und harten Bemühungen vieler Menschen, die gekämpft, gebetet und gelitten haben, einige sogar unter Verlust ihres Lebens. Unter denen, die eine führende Rolle gespielt haben, war Papst Johannes Paul II. Lasst uns beten, dass wir mit Gottes Hilfe, mit der Fürsprache des Hl. Johannes Paul II und mit der Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens, weiterhin eine Kultur der Vergebung verbreiten und so all die  Mauern, die Menschen trennen, einreißen zu können.

Wo es eine Mauer gibt, ist auch das Herz verschlossen. Wir brauchen Brücken, keine Mauern! Ich bin sicher, dass wir mit dem  Ritterorden vom Heiligen Grab, mit allen unseren teuren Mitgliedern auf der ganzen Welt, mit ihren Gebeten, ihrer Solidarität und Verbundenheit mit dem Heiligen Land, Brücken bauen, Freunde werden und Beziehungen mit Gott und mit den Christen des Heiligen Landes, entwickeln können.

Weil die Mutterkirche auf sozialer und edukativer Ebene Beziehungen mit der moslemischen Welt und mit Israel hat, werden Brücken des Dialogs und der Zusammenarbeit für Entwicklung, Integration gebaut, und Pläne für zukünftigen Fortschritt. Das alles ist möglich, Dank Ihrer Mitarbeit und Unterstützung.

Durch ihre Arbeit mit den Gläubigen und mit den Einrichtungen vor Ort, sind Ihre Bemühungen effektiver, effizienter und greifbarer als lokale oder internationale politische Aktionen, die nach so vielen Jahren mit Treffen und Diskussionen nur geringe oder keine Ergebnisse gebracht haben. Wir bemerken, dass es mittlerweile ein wachsendes Misstrauen von Seiten der Bürger gegenüber internationalen Institutionen gibt, die als zu distanziert gesehen werden.

Wir freuen uns über das wachsende Interesse des Heiligen Stuhls an uns, und unseren Anliegen, von denen, ich einige nennen möchte:

- Anfang Oktober berief der Heilige Vater die Apostolischen Nuntien der verschiedenen Länder des Nahen Ostens, die ständigen Beobachter bei den Vereinten Nationen in New York und Genf und die Apostolischen Nuntien der europäischen Union, zu einem Treffen mit dem Staatssekretär und anderen Leitern und Funktionären der relevanten Dikasterien der Römischen Kurie ein. Dieses Treffen ermöglichte es den Teilnehmern, Informationen aus erster Hand und eine Übersicht über die Situation der Christen im Mittleren Osten zu gewinnen.

-Daraufhin, am 20. Oktober, berief der Papst ein Treffen des Kardinalskollegiums und der Patriarchen ein, um die Situation zu diskutieren und die Haltung des Heiligen Stuhls zu den komplexen Problemen der Region zu erläutern. Die verschiedenen vorgestellten Berichte konzentrierten sich auf die Notwendigkeit, sich für Frieden und Versöhnung in der Region, für Verteidigung der Religionsfreiheit, Unterstützung für lokale Gemeinden, für die Bedeutung der Bildung einzusetzen, um die  neue Generation für den Dialog zu befähigen, und ebenso auf die Rolle der internationalen Gemeinschaft.

- Die seit langer Zeit bestehende Position des Heiligen Stuhls bezüglich des israelisch-palästinensischen Konflikts sieht vor, dass die zwei Parteien zu einer Verhandlungslösung  kommen sollen. „Tragischer Weise wird der Frieden allzu oft verletzt…Was für ein großer Tribut an Leid und Tod wird immer noch auf diesem Kontinent gefordert, der sich nach Frieden sehnt und trotzdem so leicht in die Versuchungen der Vergangenheit zurückfällt.“ (Rede von Papst Franziskus vor dem Europarat, 25. November 2014)

- Der Heilige Stuhl sorgt sich um den Zugang zu den heiligen Stätten, der den Anhängern aller drei Hauptreligionen im Hl. Land garantiert werden soll. Um die legale und finanzielle Situation der katholischen Gemeinden und Institutionen zu klären, verhandelt der Heilige Stuhl weiterhin verschiedene Abkommen mit Israelis und den Palästinenserbehörden und unterhält regelmäßig hochrangige bilaterale Kommunikation mit beiden, um Themen von beiderseitigem Interesse effizient behandeln zu können.

In den vergangenen Monaten hat sich die Situation in Syrien und im Nordirak weiter verschlechtert. Große Gebiete des Landes sind in die Hände des sogenannten „Islamischen Staates“ gefallen. Diese Terroristen haben Christen und andere Minderheiten aus ihren Häusern vertrieben, ihnen ihre Würde und ihr Eigentum genommen, Frauen in die Sklaverei verkauft, Minderjährige als Kindersoldaten rekrutiert, ruchlos jene ausgelöscht, die sich ihnen widersetzten und sogar zu abscheulichen Maßnahmen wie Kreuzigung, Enthauptung und Massenmord gegriffen.

Die Leiden dieser Gemeinden führten dazu, dass Papst Franziskus an den Generalsekretär der vereinten Nationen schrieb und sich an die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen wandte mit der Bitte, dringend tätig zu werden, um diese humanitäre Tragödie zu beenden. Erlauben Sie mir, aus seinem Brief zu zitieren:

„Die gewalttätigen Attacken, die über den Nordirak fegen, müssen das Gewissen aller Männer und Frauen guten Willens wecken und sie  zu konkreten Taten der Solidarität wie den  Schutz jener, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind, führen, sowie zur Zusicherung notwendiger und dringender Hilfe für die vielen vertriebenen Menschen, genauso wie für ihre sichere Rückkehr in ihre Städte und Wohnungen. Die tragischen Erfahrungen des zwanzigsten Jahrhunderts und das grundlegendste Verständnis von Menschenwürde zwingen die internationale Gemeinschaft, besonders durch die Normen und Mechanismen des Internationalen Gesetzes, alles zu tun, um das zu beenden und um weitere systematische Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten zu verhindern.“

Wir können auf unsere Kirche stolz sein für ihre Großzügigkeit und Hilfe für die Flüchtlinge in Jordanien, sie gibt damit ein schönes Zeugnis für christliche Liebe und Solidarität ohne Grenzen.

Der Blick der Welt auf die dramatische Situation in Syrien und im Irak hilft uns nicht, unsere eigene Situation in Palästina zu vergessen: es gibt die Besatzung, es gibt die Mauer  und es gibt die vielen Checkpoints. Das Errichten neuer Siedlungen auf palästinensischem Boden hat niemals aufgehört. Das ist nicht ein Zeichen der Macht Israels, sondern ein Zeichen seiner Schwäche. Bisher hat Israel alle Kriege gegen die Araber gewonnen, aber noch immer nicht Frieden und Sicherheit. All die gewalttäitgen Angriffe und Morde der vergangenen Monate haben in Jerusalem statt gefunden, innerhalb der Mauern!

Das Problem des Terrorismus wird jedoch nicht durch eine militärische Antwort allein gelöst. Abgesehen von der dringend benötigten humanitären Hilfe ist es notwendig, den Grundursachen, die es dem „Islamischen Staat“ und anderen terroristischen Gruppen ermöglicht haben zu entstehen, entgegen zu wirken. Es muss einen klaren politischen Willen geben, den Terrorismus zu bekämpfen, indem man illegale Finanzierung und illegalen Handel mit Waffen, Technologien und andere Unterstützung, die den Terroristen das Weiterkämpfen ermöglichen, verhindert. Religiöse Führer, sowohl Christen als auch Muslime, müssen ihre Rolle spielen und beim Fördern des Dialogs, der Bildung und des gegenseitigen Verständnisses zusammenarbeiten, genauso wie beim Verdammen des Missbrauchs der Religion zur Rechtfertigung von Gewalt.

Nach der Synode schrieb ich einen Brief an einige Präsidenten von Bischofskonferenzen und bat darum, dass jede Diözese möglichst ein Haus oder Land in Bethlehem oder Jerusalem kauft. Im Wissen, dass Land Identität, Kraft und Zeugnis bedeuten, werden diese Häuser nicht mehr verkauft und jungen, christlichen Paaren zur Verfügung gestellt, die nicht bauen oder kaufen können.

Ich bin glücklich, bei Ihnen zu sein, ich bin glücklich zu wissen, dass Sie mit uns sind, ich bin glücklich zu sehen, dass die deutsche Statthalterei wächst und die Zahl der Ritter und Damen, Freunde und Liebhaber des Heiligen Landes steigt.

In acht Tagen, am 17. Mai, werden zwei Ordensfrauen aus dem Heiligen Land heilig gesprochen. 

Papst Franziskus genehmigte im Dezember 2014 die Promulgation der Dekrete der Heiligsprechung der seligen Mariam Bawardi vom gekreuzigten Jesus (1846-1878) und von der seligen Marie-Alphonsine Ghattas, zwei Ordensfrauen aus dem Heiligen Land, die am 17. Mai 2015 stattfinden wird. 

Mariam Bawardi wurde in dem Dorf Ibillin in Galiläa geboren. Sie ist die Gründerin des Karmel von Bethlehem. Im Lauf ihres Lebens empfing sie die Gnade der Wundmale. Als Mystikerin hatte sie auch zahlreiche Visionen, in denen sie mit Jesus sprach. 

Marie-Alphonsine Danil Ghattas (1843-1927) wurde in Jerusalem geboren. Sie ist die Mitbegründerin der Kongregation der Rosenkranzschwestern, die sich der Seelsorge widmeten und später den alten Menschen und den kleinen Kindern beistanden und den Ärmsten dienten, aber auch gegen die sittliche Armut kämpften. Heute unterhalten sie vor allem Mädchenschulen. Sie beten und treten für ihre Leute und ihr Land ein, und wir bitten sie um ihr Gebet für die Ritter und Damen und besonders für die neuen Kandidaten.

Ich möchte sie alle herzlich zur Feier dieses für die Mutterkirche von Jerusalem so bedeutsamen Ereignisses einladen und würde mich freuen, viele von Ihnen, besonders die Ritter und Damen vom Heiligen Grab, in Rom zu sehen.

Sie sind immer in unseren Gebeten präsent, bitte lassen Sie nicht nach, mit uns zu sein. Gott segne Sie alle.

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