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Inhalt

Predigt S.E. Apostolischer Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović

(Apg 10, 25-26.34-35.44-48; Ps 98; 1 Joh 4,7-10; Joh 15,9-17)

Berlin, St. Hedwigskathedrale, 10. Mai 2015
Heilige Messe mit dem Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem
6. Ostersonntag – Lesejahr B

„Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12).

Eure Seligkeit!
Exzellenz, verehrter Statthalter der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab!
Sehr geehrte Ritter und Damen des Ordens vom Heiligen Grab!
Verehrte Mitglieder der Komturei Pius X. in Berlin!
Liebe Brüder und Schwestern!

Das Wort Gottes, das wir gehört haben, lässt uns ein weiteres Mal über die Natur Gottes, der die Liebe ist, nachdenken. „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8) schreibt der Heilige Johannes, der vom Herrn Jesus geliebte Jünger (vgl. Joh 19,26). Es ist eine Liebe, welche die Beziehungen in Gott charakterisiert, das heißt zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist, wie auch die Beziehungen des einen und dreifaltigen Gottes zu uns Menschen, seinen Geschöpfen. Diese Liebe spricht jeden von uns an. Der Gott der Liebe möchte, daß wir alle teilhaben an seiner Liebe, daß wir Gott und den Nächsten lieben. 

An diesem sechsten Ostersonntag freue ich mich, dieser Heiligen Messe in der St. Hedwigskathedrale von Berlin vorzustehen. Als Vertreter des Heiligen Vaters Franziskus in der Bundesrepublik Deutschland grüße ich Euch alle. In besonderer Weise grüße ich Seine Seligkeit Fouad Twal, den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem und Großprior des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab. Seligkeit, herzlich willkommen in Deutschland, dem Land, das Sie gut kennen, da Sie für einige Jahre in der Apostolischen Nuntiatur in Bonn den diplomatischen Dienst ausgeübt haben. Herzlich grüße ich die Mitglieder des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab mit dem Statthalter der Deutschen Statthalterei an der Spitze, Seiner Exzellenz Herrn Dr. Detlef Brümmer. Ein besonderes Gedenken gilt denen, die gestern im Rahmen der feierlichen Investitur in der Johannesbasilika in Berlin als Damen und Ritter in diese verdienstvolle Einrichtung aufgenommen worden sind. Sie haben versprochen, das besondere Charisma des Ordens zu achten, wozu die Hilfe für die Christen im Heiligen Land, dem Land Jesu Christi, einen besonderen Platz einnimmt. In diesen dramatischen Zeiten, in denen wir einen wahren Exodus der Christen aus dem Mittleren Osten aufgrund der Kriege und Gewalt, der Intoleranz und der Verfolgung aus Hass beklagen, ist diese Aufgabe noch wichtiger und dringender geworden. Im Namen von Papst Franziskus danke ich Ihnen, verehrte Schwestern und Brüder, für Ihre großherzige Hilfe an die Christen, die in diesen, jedem Jünger Jesu, so teuren Ländern leiden. Dank auch an alle Menschen guten Willens, Christen und Nichtchristen, die Eure Tätigkeit unterstützen, sei es mit dem Gebet, sei es mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung. Am Ende der Eucharistiefeier erteile ich gerne im Namen von Papst Franziskus den Apostolischen Segen. 

Das Wort Gottes richtet an uns alle eine dreifache Aufforderung: 

1. wiederzuentdecken, daß Gott die Liebe ist; 2. den anderen zu lieben; 3. die Gebote zu halten.

1. „Gott ist die Liebe.“ (1 Joh 4,8)

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem heutigen Evangelium des Heiligen Johannes und der zweiten Lesung, die aus dem ersten Brief desselben Evagenlisten Johannes genommen ist. Der Unterschied besteht besonders in den verschiedenen Momenten, auf die sich die beiden Schriften beziehen. Das Evangelium ist Teil der langen Abschiedsreden Jesu vor seiner Passion, seinem Tod und der Auferstehung. Jetzt, wo seine Stunde nahe ist, öffnet Er das Herz den Jüngern. Er betrachtet sie nicht mehr als Knechte, sondern als Freunde: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15). Der erste Brief des Heiligen Johannes richtet sich an die ersten Christen, wo es viele positive Aspekte gab, aber auch Schwierigkeiten und Teilungen. Vom Heiligen Geist inspiriert ermahnt er die Christen, die zwar formal zur Kirche gehören, aber nicht nach der Lehre des Herrn Jesus leben. Er wiederholt das Kriterium der Liebe, mit der sich der wahre Jünger Jesu Christi beweist. „Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott“. Und er fährt fort, indem er die ermahnt, die nicht diese Wahrheit leben: „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,7-8). 

In den Worten Jesus Christi, die im heutigen Evangelium überliefert sind, können wir einige wesentliche Charakterzüge der Liebe Gottes entdecken. Die Quelle dieser Liebe ist Gottvater: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt“ (Joh 15,9). Jesus Christus wollte diese Wahrheit den Menschen offenbaren, indem er sie einlädt, daran teilzuhaben: „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15). Es handelt sich nicht um eine theoretische, abstrakte Mitteilung, sondern vielmehr um einen Vertrauensbeweis unter Freunden, eine Offenbarung, die das Einbeziehen der Beteiligten erfordert. Sie sind liebevoll, aber nachdrücklich aufgefordert„Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15,9). Die Liebesbeziehung zwischen Vater und Sohn wird auch zum Modell der Liebe für die Menschen, die Freunde Jesu: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe“ (Joh 15,10). Wenn man in der Gemeinschaft der Liebe bleibt, teilhat an der Liebe zwischen Vater und Sohn, empfängt man Segen und die Erfüllung jeder Bitte: „Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet“ (Joh 15,16). Unser Gebet wird stark, unwiderstehlich für Gott, der die Liebe ist, wenn es in Gemeinschaft mit Jesus Christus geschieht, wenn es von seiner Liebe umfangen ist. 

Die Worte Jesu lassen außerdem den Grund unserer Berufung entdecken. Gott hat bei diesem Werk der Gnade die Initiative, er hat uns erwählt. So sagt der Herr: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt“ (Joh 15,16). Daß es sich nicht um eine zerbrechliche Liebe handelt, eine oberflächliche, sondern um eine tiefe Liebe, die Lebensquelle, wird aus dem Wort Jesu ersichtlich: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Diese Worte, die am Vorabend seines Todes gesprochen wurden, sind im Ostergeheimnis verwirklicht. Dieselbe Wahrheit, die gleichsam mit denselben Worten ausgedrückt wird, findet sich im ersten Brief des Heiligen Johannes: „Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat“ (1 Joh 4,10). Auch von diesen beiden sich ergänzenden Perspektiven her gesehen, wird die Rede über Gott, der die Liebe ist, noch bewegender und überzeugender. 

2. „Liebt einander!“ (Joh 15,17)

Im heutigen Evangelium wiederholt der Herr Jesus diese Aufforderung. Vorausgegangen war, daß der Meister seinen Jüngern gesagt hatte: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12). Jesus legt sich selbst als Maß der Liebe fest. Es handelt sich um eine Liebe bis zum Ende (vgl. Joh 13,1), bis dahin, „das Leben zu geben für seine Freunde“ (Joh 15,13). Diese Liebe wird in den Herzen der Christen vom Heiligen Geist geboren, den der auferstandene Herr seinen Jüngern in Fülle schenkt (vgl. Joh 3,34). Der Heilige Geist ist sodann der Antrieb der Liebe zum Nächsten, vor allem zu den Armen im spirituellen und materiellen Sinne. Es war der Heilige Geist, der den Apostel Petrus in das Haus des Heiden Kornelius gedrängt hat. Derselbe Geist kam herab „auf alle, welche die Rede des Apostels hörten“, so daß der Heilige Petrus die  Gnade des Heiligen Geistes anerkennen musste und sagte: „Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?“ (Apg 10,47). Der große Protagonist der Mission gestern und heute ist der Heilige Geist! Wir alle sind gerufen, Werkzeuge zu sein und auf diese Weise unseren Beitrag zu leisten für diejenigen, die spirituell arm sind, die Jesus Christus nicht kennen und sein Evangelium des Heils. Aber der Heilige Geist drängt die Herzen der Christen auch zur materiellen Großzügigkeit, vor allem zugunsten derer, die Hilfe nötig haben. Es können einige besondere Kategorien in der aktuellen Welt erwähnt werden: die Flüchtlinge, die Hungernden, die Kranken. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Christen in Jerusalem und im Heiligen Land. 

3. Haltet die Gebote!

„Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe“ (Joh 15,10). Die Worte Jesu Christi erinnern uns an dessen Antwort, die er einem Gesetzeslehrer gegeben hat, der fragte, welches der Gebote im Gesetz das größte sei: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten“ (Mt 22,37-40). Im Judentum, so auch zur Zeit Jesu, gelten 613 Gesetze und Vorschriften. Auch wenn man sie mit den Zehn Geboten zusammenfassen kann, war es für das einfache Volk nicht leicht, sie alle zu kennen. Daher hilft die Antwort Jesu seinen Jüngern und uns allen, das Wesentliche des Gesetzes und der Propheten zu kennen: die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Offenkundig lädt uns das Wort Gottes dazu ein, dieses Gebot in die Tat umzusetzen. Der Herr selbst hat gesagt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21). Und der Wille Gottes, unseres Vaters, ist, daß wir einander lieben, so wie er uns geliebt hat (vgl. Joh 15,12). 

Die Lehre Jesu Christi ist einfach und alle können sie verstehen. Gleichzeitig ist sie anspruchsvoll, weil sie die Tiefe unseres Seins berührt. Es handelt sich nicht um eine sentimentale oder oberflächliche Liebe, sondern um die tiefe Liebe, die darin besteht, den Willen des anderen zu lieben. Wie Jesus seinen Vater liebte und so im Verlauf seines ganzen irdischen Lebens  dessen Willen zu erfüllen suchte (vgl. Hebr 10,7). Das bedeutet für uns, die wir gerufen sind, den Willen Jesu Christi zu lieben, Ihn gleichsam als Gewand anzulegen  (vgl. Rom 13,14), was für eine radikale Umwandlung einschließt. Diesbezüglich sollten wir dem Heiligen Geist erlauben, daß sich unter uns verwirklicht, was beim Herrn Jesus geschehen ist, wie der Heilige Paulus sagt: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht“ (Phil 2,5). Er hat sich seiner göttlichen Natur entäußert und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich, gehorsam bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2,6-8). 

Liebe Schwestern und Brüder, die Lehre Jesu hat zum Ziel, daß wir das Geheimnis der Liebe berühren können, die Ihn, den eingeborenen Sohn im Heiligen Geist mit Gott, dem Vater, vereint. Für immer teilzuhaben an dieser Liebe meint das ewige Leben, die Fülle der Freude. Der Herr will dieses Schicksal für alle Menschen. Denn er hat gesagt: „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Joh 11,26). Er wiederholt heute zu uns: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15,11). 

Damit wir dieses Ziel erreichen können, vertrauen wir uns der mächtigen Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria an, der Mutter Jesu und Mutter der Kirche, besonders in diesem Monat Mai, den die Kirche Ihr traditionell weiht. Voll kindlichen Vertrauens richten wir an Sie die Bitte: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. 

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