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„Die Freude am Herrn ist eure Stärke“

Vom 8. bis 10. Mai 2015 fand die Frühjahrs-Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in der Bundeshauptstadt Berlin statt. Die Ritter gaben im säkularisierten Umfeld ein eindrucksvolles Zeugnis ihres christlichen Bekenntnisses ab.

Berlin ist großen Auflauf gewöhnt: Staatsbesuche, Demonstrationen, Verkehrschaos und Streiks. Auch bei kirchlichen Ereignissen kann sich Berlin sehen lassen: 2011 als Gastgeber des Papstbesuchs und bei der Einführung des neuen Erzbischofs. Ungewohnt aber für manche Berliner war das Bild von 800 Ordensmitgliedern und deren Angehörigen, die sich in die Berliner Luft aufgemacht hatten zur Frühjahrs-Investitur: Mit Gastlichkeit und Herzlichkeit wurden die Ritter und Damen des Ordens von der Berliner Komturei empfangen. Unvergesslich bleibt die Investitur über die Gemeinschaft hinaus als starkes und mutiges, bewegendes und eindrucksvolles Glaubenszeugnis inmitten eines weitgehend säkularisierten Umfelds.

Den Glauben finden

Gerade deshalb waren die gottesdienstlichen Feiern auch bei dieser Investitur die besonderen Höhepunkte. Cfr. Msgr. Dr. Hansjörg Günther, Prior der Berliner Komturei, ging auf das Umfeld in seiner Predigt ein: „Unsere Aufgabe als Glaubende ist es, durch unser Beispiel in dieser Welt so zu zeigen, dass auch andere zum Glauben finden. Dies gilt für alle Ihre Heimatorte und in besonderer Weise für eine Großstadt wie Berlin, die Sie in den letzten Tagen erleben konnten. Es ist schwierig hier, bei der Fülle der Angebote, bei aller Geschäftigkeit und Umtriebigkeit, zum Glauben zu finden.“ So gebe es auch im übertragenen Sinn viele Baustellen und Umleitungen in der Stadt: „Umso wichtiger ist es, dass wir unser Christsein nicht verstecken. Dass wir uns, egal in welchem Landstrich wir leben, nicht auf unseren heiligen Rest zurückziehen, nicht genügsam werden in dem, wie wir uns in unserer Gemeinde oder in unserer Gemeinschaft eingerichtet haben.“

Einen solchen Ort, um den Glauben zu finden, erlebten die 18Kandidaten, elf Herren, sechs Damen und ein Priester bei der geistlichen Einstimmung in der Krypta der St. Hedwigs-Kathedrale, nach einem Begrüßungsabend im Hofbräuhaus mit bayerischen Spezialitäten im Herzen Berlins nahe des Alexanderplatzes, ein Ausdruck interkultureller Verständigung zwischen den Ländern. Die Krypta als tiefster Punkt der Kathedrale sei ausdrucksstark ein Beispiel dafür, worauf es im Leben ankommt, so der Geistliche Zeremoniar der Deutschen Statthalterei, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller: „Wir stehen in dieser Stunde an einem ‚Tiefpunkt‘. Ein solcher Standort kann sehr hilfreich sein, geht es doch in unserem Ritterorden vor allem darum, ein besonderes Gespür für das zu entwickeln, was am Boden liegt. Vor allem geht es um ein Sensorium für Menschen, die unten, in der Tiefe oder am Boden sind – um ihnen eine Stimme zu geben oder hilfreich zur Seite und damit nahe zu sein. So drücken wir es auch in unserem Ordensgebet aus. Das entscheidende Beispiel gibt uns dabei Jesus Christus selbst, wenn er den Jüngern die Füße wäscht (Joh 13,1-15) und auf diese Weise aus der Tiefe zum Leben verhilft.“

Den Christen helfen

An die Menschen, denen vieles genommen wurde, erinnerte bei den verschiedensten Anlässen während der Investitur der neue Statthalter, Cfr. Dr. Detlef Brümmer. Unermüdlich warb er darum, die Menschen im Heiligen Land nicht zu vergessen. „Es geht in allererster Linie um die Solidarität mit den Christen dort! Das bedeutet auch: Wir müssen die Menschen im Heiligen Land besuchen“, so Statthalter Brümmer während der Kapitelsitzung in der Aula der altehrwürdigen Humboldt-Universität zu Berlin. In klaren Worten formulierte er erneut die Trias seines Handelns als Statthalter, mit dem er die Ordensmitglieder auch in Berlin überzeugte: „Für das Heilige Land sorgen – Den Glauben bekennen – Gesellschaft und Kirche dienen.“ Eindrucksvolle Beispiele über die Zustände im Heiligen Land und die Aufgaben des Ordens schilderte die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Csr. Cornelia Kimberger.

Das Heilige Land wurde bei der Investitur in besonderer Weise durch den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fuad Twal, präsent. Während der musikalisch und liturgisch bewegenden Investiturfeier in der Johannes-Basilika in Kreuzberg, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Apostolischen Nuntiatur, dankte er den Ordensmitgliedern für deren Einsatz für das Heilige Land. Insbesondere hob er den früheren Statthalter, Cfr. Dr. Heinrich Dickmann, hervor: „Er hat uns während seiner  Amtszeit gezeigt, was es heißt, den Orden zu lieben, und was es heißt, ein treuer Freund des Lateinischen Patriarchats zu sein.“ Erzbischof Twal erinnerte an Berlin als Ort des Mauerbaus: „Wenn wir hier in Berlin sind, können wir nicht umhin, an Ihre Freude über den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren zu denken, eine Mauer, die 28 Jahre lang die Stadt geteilt hat und ein Symbol für die ideologische Teilung Europas und der ganzen Welt war. Auch Deutsche haben geteilte Auffassungen, aber sind eins in der gemeinsamen Freude über den Fall der Mauer. Der Mauerfall kam plötzlich, aber er wurde ermöglicht durch die langen und harten Bemühungen vieler Menschen, die gekämpft, gebetet und gelitten haben, einige sogar unter Verlust ihres Lebens. Unter denen, die eine führende Rolle gespielt haben, war Papst Johannes Paul II.“, so Patriarch Twal. Es gehe darum, in der ganzen Welt Mauern abzubauen, rief er den Investiturkandidaten zu, die er wenig später mit Ritterschlag in den Orden aufnehmen sollte. „Wo es eine Mauer gibt, ist auch das Herz verschlossen. Wir brauchen Brücken, keine Mauern! Ich bin sicher, dass wir mit dem  Ritterorden vom Heiligen Grab, mit allen unseren teuren Mitgliedern auf der ganzen Welt, mit ihren Gebeten, ihrer Solidarität und Verbundenheit mit dem Heiligen Land, Brücken bauen, Freunde werden und Beziehungen mit Gott und mit den Christen des Heiligen Landes, entwickeln können.“

Das Charisma achten

Souverän hatte der Ltd. Komtur der Komturei Berlin, Cfr. Dr. Michael Feldkamp, die Investitur mit seinem engagierten Team organisiert. So stand auch am Festabend bei aller Freude über die neuaufgenommenen Mitglieder wieder das Heilige Land im Mittelpunkt: Solidarität sei gelebte Nächstenliebe, betonte Statthalter Dr. Brümmer. Dazu habe Papst Franziskus mit seiner Apostolischen Reise ins Heilige Land viele Impulse gegeben, die nicht zu vergessen seien.

Nicht vergessen sollten auch die neuaufgenommenen Ordensmitglieder ihr Versprechen: Während der Festmesse in der St. Hedwigs-Kathedrale am Sonntagmorgen erinnerte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, an genau dieses Versprechen vom Vortag: „Sie haben versprochen, das besondere Charisma des Ordens zu achten, wozu die Hilfe für die Christen im Heiligen Land, dem Land Jesu Christi, einen besonderen Platz einnimmt. In diesen dramatischen Zeiten, in denen wir einen wahren Exodus der Christen aus dem Mittleren Osten aufgrund der Kriege und Gewalt, der Intoleranz und der Verfolgung aus Hass beklagen, ist diese Aufgabe noch wichtiger und dringender geworden.“ Im Namen von Papst Franziskus danke er den Ordensmitgliedern für deren großherzige Hilfe „an die Christen, die in diesen, jedem Jünger Jesu, so teuren Ländern leiden. Dank auch an alle Menschen guten Willens, Christen und Nichtchristen, die Eure Tätigkeit unterstützen, sei es mit dem Gebet, sei es mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung“, so Erzbischof Eterovic.

Die Investitur in Berlin hat sichtbare geistliche Tage gezeigt, die auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Es ist nicht selbstverständlich, wenn selbst der Berliner „Tagesspiegel“ ausführlich über dieses katholische Ereignis in der Bundeshauptstadt berichtete. Gerade für die Diaspora in Berlin war die Feier der Ordensgemeinschaft ein wichtiger Moment der Ermutigung und letztlich auch der Solidarität im Glauben, so wie die Ordensmitglieder ihre Solidarität mit den Menschen im Heiligen Land leben. Kraftvoller und für den Alltag nach der Investitur ausrüstend, hätte das Motto von der Berliner Komturei nicht ausgewählt werden können: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

Cfr. Matthias Kopp

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