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„Zieh in das Land, das ich dir zeigen werde“

Frühjahrsinvestitur vom 9. bis 11. Mai 2014 in Aachen

Csr. Cornelia Kimberger

Vom 9. bis 11. Mai 2014 fand die Frühjahrsinvestitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Aachen statt. Vor 1.200 Jahren starb hier Kaiser Karl der Große, der an seinem liebsten Platz eine Pfalz errichtete, dort wo heute das Rathaus steht. 850 Gäste waren der Einladung der Komturei Aachen gefolgt.

Die elf Glocken von St. Donatus in Aachen-Brand läuten feierlich die Frühjahrsinvestitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ein. Trompeten- und Paukenklänge erfüllen mit Georg Friedrich Händels Feuerwerkmusik die Komtureikirche von St. Carolus Magnus Aachen. Cfr. Pfr. Ralf Freyaldenhoven, der Prior der Komturei, bezeichnet die 20 Männer, neun Frauen und vier Geistlichen, die am nächsten Tag im Dom zu Aachen in den Orden aufgenommen werden, als 33 „wunderbare Geschenke“. Er fordert sie dazu auf, Jesus als Gewand anzuziehen. Die Ordensmäntel stünden als Symbol dafür und sollten, so der Prior, richtig ausgefüllt werden, indem jedem Einzelnen der Orden ans Herz wachse und er dadurch verändert würde: „Ein Ordensmantel ist keine Verpackung, sondern muss Inhalt bekommen von Individuen mit ihren Fähigkeiten, ihren Talenten und mit ihren Herzen, die berührt sind von dem, was für den Orden wichtig ist“, so Cfr. Freyaldenhoven.

Heiligtumsfahrt

„Sie hätten kein besseres Motto für Ihre Investitur wählen können als ‚Zieh in das Land, das ich dir zeigen werde‘“, meint die Bürgermeisterin der Stadt, Hilde Scheidt, beim Begrüßungsabend. Unter diesem Wahlspruch findet im Juni diesen Jahres auch die Heiligtumsfahrt statt, zur der Tausende von Pilgern erwartet werden. Das Marienkleid, die Windeln und das Lendentuch Jesu, und das Tuch der Enthauptung Johannes des Täufers werden dann zehn Tagen lang dem goldenen Marienschrein im Dom entnommen und den Gläubigen gezeigt. Diese vier Reliquien sind der Schatz des Aachener Doms, die um das Jahr 800 Karl der Große als Geschenk aus Jerusalem bekommen hatte.

Als Zeichen gelebter Ökumene bezeichnet Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller die Möglichkeit der Feier der Vigil in der ehemaligen Jesuitenkirche St. Michael, die seit Anfang der 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts der griechisch-orthodoxen Gemeinde als Gotteshaus dient. Der griechisch-orthodoxe Priester Anthimos nimmt an der Feier zu später Stunde teil, in der die Kandidatinnen und Kandidaten auf die Investitur eingestimmt werden. Kaiser Karl sei immer in Bewegung gewesen, sagt Cfr. Msgr. Müller. Er habe Pfalzen gebaut, war bemüht um Bildung, Sprache und Schrift und sei ein demütiger Herrscher gewesen. Müller fordert ein Wachsein in der Gegenwart wie Kaiser Karl. „Was willst Du in Deinem Leben? Für was bist Du bereit?“, fragt er. Wach sein bedeute auch, unbequem zu sein. Die Berufung eines Ordensritters sei es, das Evangelium Jesus in sich klingen zu lassen und dialogbereit zu sein. Man brauche eine gute Gemeinschaft, um im Glauben und in der Hoffnung Stärke zu bewahren.

Erlebte Geschichte

In der Kapitelsitzung am Samstag erhalten die Ordensmitglieder Informationen aus der Hand von Statthalter Cfr. Dr. Heinrich Dickmann. Erst seit wenigen Wochen ist er zum Mitglied der Heilig-Land-Kommission des Großmeisteramtes in Rom berufen worden. Das umfangreiche Kulturprogramm ermöglicht Besuche in den Ausgrabungen Aachens, die Besichtigung der vielen Brunnen und der Domschatzkammer, die einen der größten Kirchenschätze Europas birgt. Die jugendlichen Investiturteilnehmerinnen Barbara Erlinghagen und ihre Schwester Katharina meinen, dass Aachen als Investiturort für Geschichtsinteressierte „einfach grandios“ sei. Einige Jugendliche besuchen das Kindermissionswerk und Jonas Krekel berichtet begeistert von einer Liveschaltung nach Kolumbien zu einer Volontärin des Missionswerks, die von ihren Erfahrungen in einem Kinderheim erzählt und dazu animiert, sich für Arme und Benachteiligte einzusetzen. Bei den Domführungen ist auch die Ritterjugend dabei. Paula ist begeistert, dass es Führungen durch den Dom eigens für Kinder gibt, die Jugendliche machen. Besonders gefällt ihr die Sage vom überlisteten Teufel, dessen Finger nun im Türknauf der Domtüre steckt. „Kaiser Karl ist ein wichtiger Mensch für die christliche Kultur in Europa“, stellt  Konstantin von Kressenbrock fest, der sich auch auf der Kaiserloge des karolingischen Doms den Thron des „Augustus Imperator Renovati Imperii Romani“ angesehen hat.

Die Investitur beginnt mit der Statio im Quadrum des Hohen Doms zu Aachen: „Wir haben uns am Lieblingsort Kaiser Karls, in seiner Kaiserpfalz versammelt“, beginnt Cfr. Msgr. Georg Huben seine geistliche Einstimmung. Durch die Aachener Reliquien könnten die Pilger auf Tuchfühlung mit Christus gehen. Sie versinnbildlichten die Menschwerden Christus an Weihnachten in dessen Windeln und im Kleid Mariens, und erinnerten an seine Auferstehung mit dem Lendentuch, so Huben. „Wenn Sie nun bei der Prozession vom sechzehneckigen doppelgeschossigen Umgang in den achteckigen Zentralbau  schreiten, dann wandert Ihr Blick sicher nach oben, zum ‚Himmlischen Jerusalem‘, zum Pantokrator, unserer Zukunft.“ 

Feierlich zieht die Ordensgemeinschaft in Karls Pfalzkapelle, die lange Zeit der höchste überkuppelte Bau nördlich der Alpen war. Über den Köpfen schwebt der gewaltige Radleuchter, den Kaiser Barbarossa anlässlich der Heiligsprechung Karls im 12. Jahrhundert  gestiftet hat und ebenfalls auf das „Himmlische Jerusalem“ verweisen soll.

Stifter Europas 

In seiner Predigt betont der Großprior der Deutschen Statthalterei, Kardinal Reinhard Marx, dass an kaum einem anderen Ort die Atmosphäre des christlichen Abendlandes so deutlich zu spüren sei, wie in Aachen. Den Dom würdigt er als zentralen Ort der europäischen Geschichte: „Hier hat mit Karl dem Großen die Erneuerung Europas begonnen. Die Grenzstadt Aachen spornt dazu an, Europamüdigkeit zu überwinden und Europa als Aufgabe für alle anzusehen“, so Kardinal Marx. „Der Osterglaube muss uns zu neuen Menschen machen. Das ist eine ständige Herausforderung. In diesem Glauben dürfen wir nicht müde werden“, so der Großprior. Gleichzeitig ruft der Kardinal zu verstärkten Pilgerreisen ins Heilige Land auf, die immer auch ein Weg der geistlichen Erneuerung aus den Quellen des Glaubens heraus seien. „Dieser Glaube braucht immer beides: renovatio und Renaissance“ (Erneuerung und Wiedergeburt), so Kardinal Marx. Daraus erwachse für alle ein Netzwerk des Glaubens durch die Geschichte der Kirche hindurch. „Der Osterglaube macht neugierig auf das, was kommt.“ Die 33 Kandidaten und Kandidatinnen werden anschließend von ihm in den Orden aufgenommen. Besonders angetan ist die Festgemeinde von der Musik des Domchororchesters, des Vokalensembles und der Solisten. Die Messe in D-Dur von Otto Nikolaiaus, dem Gründer der Wiener Philharmoniker, umrahmt die Investiturfeier würdig. Beim Festabend dankt der Statthalter dem Organisationsteam um den Ltd. Komtur Cfr. Hans Mülders für die gelungen Feierlichkeiten und erinnert an die Mission der Mitglieder des Ordens: die Verteidigung des Glaubens und die konkrete Hilfe für das Lateinische Patriarchat in Jerusalem. Cfr. Prof. Dr. Elmar Nass dankt für die Neuinvestierten und betont das Gewissen des Menschen. Es sei die Aufgabe, das Gewissen zu schulen, um zu erkennen, was wirklich die Wahrheit sei: „Wir müssen uns zur Gerechtigkeit bekennen, jeglicher Gewalt absagen. Der Sozialneid entspricht nicht dem Willen Gottes“, so Cfr. Nass.

Barmherzigkeit leben

Vor dem Pontifikalamt im Dom am Sonntag erinnert Cfr. Prälat Dr. Klaus Krämer in der Statio an die Gestalt des Guten Hirten. Auch die Damen und Ritter sollten Hirtenfunktionen übernehmen und sich der Menschen annehmen, die am Rande stehen. „Es ist wichtig, dass wir nicht nur die heiligen Stätten besuchen, sondern auch den Menschen begegnen und uns um sie sorgen“, so der Präsident von Missio und dem Kindermissionswerk. Der Bischof von Aachen, Cfr. Dr. Heinrich Mussinghoff, bezieht sich in seiner Predigt auf Papst Franziskus, der die Barmherzigkeit in die Mitte seines Wirkens gestellt habe. Misericordia bedeute ein Herz für die Armen zu haben. Es sei wichtig eine arme Kirche für die Armen zu werden. „Denn in ihnen begegnen wir dem lebendigen Christus.“

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